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Mrz
05

»Aristokraten an die Laternen!«

von Vera Lengsfeld

Zwei Wochen lang hatte die Hauptstadt, wie das ganze Land, ein Thema: die getürkte Doktorarbeit unseres mittlerweile zurückgetretenen Verteidigungs­ministers. Medien und Opposition machten in einem Ausmaß mobil, als gelte es, die westliche Welt und ihre Werte vor dem Untergang zu bewahren.

laterneNein, ich verteidige zu Guttenberg nicht. Ich habe kein Verständnis für seine maßlose Selbstüberschätzung zu glauben, er könne  eine wissenschaftliche Arbeit nebenbei erstellen. Was mich an der Debatte stört, ist die Doppelmoral der Kritiker des Doktors a.D. in Politik und Medien.

Wir hatten einen grünen Außenminister, der nach Veröffentlichung eines Videos, das ihn als Polizisten-Schläger entlarvte, nach einer formalen Entschuldigung im Amt bleiben konnte. Der danach problemlos eine Visa-Affäre überstand, weil er im Bundestagsuntersuchungsausschuss beharrlich leugnete, von den Anweisungen seines Staatsekretärs gewusst zu haben. Die Medien ließen Fischer das durchgehen, obwohl sein Leugnen so offensichtlich war, wie es jetzt bei zu Guttenberg behauptet wird.

Wir haben einen Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, der nach den linksradikalen Krawallen in Dresden die Polizei verurteilte, weil sie ihrem verfassungsgemäßen Auftrag, das gerichtlich verfügte Versammlungsrecht durchzusetzen, nachgekommen war. Derselbe Thierse hatte vorher zu „zivilem Ungehorsam“ gegenüber der richterlichen Verfügung aufgerufen und so den Extremisten, die mit Steinen und Glasflaschen gegen die Beamten vorgingen und viele verletzten, Legitimität verliehen.

Wir haben eine Parteivorsitzende der Linken Lötzsch, die an einer linksextremistischen Veranstaltung teilgenommen hat, bei der zur Gewalt gegen Bundeswehreinrichtungen aufgerufen wurde.

Wir haben einen SPD-Vorsitzenden Gabriel, der wenige Stunden, nachdem seine Partei im Bundestag und Bundesrat die Hartz-VI-Novelle mitbeschlossen hat, seine Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes äußerte und damit kundtat, dass seine Partei ihre  Verhandlungspartner getäuscht hat.

Schweigen im deutschen Blätterwald.

Zu Guttenberg soll unbedingt fallen, weil seine Causa das Medien-Meinungskartell in Frage stellt, das bis vor kurzem die absolute Macht hatte. Die bisher schweigende Mehrheit hat entdeckt, dass sie eine Stimme hat. Trotz publizistischen Dauerfeuers ist zu Guttenberg immer noch der beliebteste Politiker Deutschlands.

Doch die Kampagne zeigt Wirkung. Bei einer Demo vor dem Verteidigungsministerium wurde gefordert: Aristokraten an die Laternen. Wehe, wenn das Wort zur materiellen Gewalt wird!

Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 09/11 vom 05.03.2011

1 Kommentar

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  1. Druidenstein sagt:

    Als Fischer und Co wie Semikriminelle ihre politische Karriere starteten, da war der Doofmichel noch im vollen Glauben, daß es auch für ihn ganz ohne jede sportliche Leistung finanziell immer weiter steil bergauf gehe. Und in der Tat, so sah es doch auch lange genug aus: Die staatliche Alimente stieg langsam aber stetig und das Schweigegeld der Manager rasant und sprunghaft. Insofern war der Politclown ohne Schulabschluß ein Hoffnungsträger für jede gescheiterte BRDDR-Existenz. Erst mit der Euroeinführung begann dieses Weltbild zu verwelken. Und das ist das eigentliche Problem: Promovierte Akademiker kommen über ihre Phase als Dauerpraktikanten nicht hinaus, Sozialämter kontrollieren genau, und Arbeitgeber entlassen bei der allerkleinsten Unregelmäßigkeit. Diese, für den inzwischen hellhörig gewordenen Doofmichel grausame Realität, ist überall im deutschen Volke angekommen. Insofern wird derzeit jeder deutsche Politiker und Repräsentationstünnes vom gemeinen Mann hinsichtlich seiner sozialen Kompetenz und Vorbildfunktion mit Argusaugen betrachtet. Das Gespür für soziale Gerechtigkeit ist im Volk erwacht. Darüber stolperte der Geölte. Und es werden noch viele enttarnt; denn der Deutsche ist von aus Natur aus ehrgeizig und duldet keine Ungerechtigkeiten.

  1. »Aristokraten an die Laternen!« « Der Honigmann sagt… sagt:

    [...] http://paukenschlag-blog.org/?p=2941 [...]

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