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Mrz
13

Deutschlands Alleinschuld am Ersten Weltkrieg?

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges ist Europa geprägt von der Konkurrenz der Völker um politische und wirtschaftliche Macht.  Mit dem Ende der Kleinstaaterei in Deutschland und der Gründung des Zweiten Deutschen Kaiserreiches 1871 beginnt ein enormes Wirtschaftswachstum in Deutschland. England ist zu der Zeit seit etwa 300 Jahren die Weltmacht Nummer 1. Das aufstrebende Deutschland stört nun die “balance of power” – das Gleichgewicht der Kräfte- , eine Strategie mit der England seine Vormachtstellung stets zu sichern wußte. Auch die anderen Nachbarn, allen voran Frankreich, betrachten die Entwicklung in Deutschland argwöhnisch.

Aus dem Jahr 1910 ist folgendes Gespräch zwischen dem damaligen US-Diplomaten Henry White und dem Führer der Konservativen Partei Englands und vormaligen Premierminister Lord Balfour überliefert, das beide in London führten:

Balfour:  “Wir sind wahrscheinlich töricht, daß wir keinen Grund finden, um Deutschland den Krieg zu erklären, ehe es zu viele Schiffe baut und uns unseren Handel wegnimmt.”

White:  “Sie sind im Privatleben ein hochherziger Mann. Wie können Sie etwas politisch so Unmoralisches erwägen, wie einen Krieg gegen eine harmlose Nation zu provozieren, die genauso gut wie Sie das Recht hat, eine Flotte zu unterhalten? Wenn Sie mit dem deutschen Handel mithalten wollen, arbeiten Sie härter.”

Balfour:  “Das würde bedeuten, daß wir unseren Lebensstandard senken müßten. Vielleicht wäre ein Krieg einfacher für uns.”

White:  “Ich bin schockiert, daß Sie sich zu grundsätzlichen Fragen so äußern können.”

Balfour:  “Ist das eine Frage von Recht oder Unrecht? Vielleicht ist das aber eine Frage der Erhaltung unserer Vorherrschaft.”

 

Als am 28. Juni 1914 ein bosnisch-serbischer Attentäter den Habsburger Thronfolger ermordet, sind die großen europäischen Staaten durch folgende Bündnisse einander verpflichtet:

England hatte 1911 den Franzosen seine Unterstützung mit sechs Heeresdivisionen für den Fall eines Krieges mit Deutschland zugesichert.

Frankreich sagt 1912 Rußland zu, es unter allen Umständen militärisch zu unterstützen, gleichgültig, ob Rußland angegriffen werde oder selbst einen Krieg beginne.

Nach dem Attentat geben die Russen Serbien ein Hilfsversprechen, während das Deutsche Reich sich in Bündnidtreue hinter Habsburg stellt.

 

Dennoch glaubt in Deutschland niemand ernsthaft, daß sich aus dieser Balkankrise ein großer Krieg entwickeln könnte. Kaiser Wilhelm II. und andere hochrangige Politiker gehen in den Sommerurlaub.

In England jedoch wird vom 15. bis 25. Juli eine Mobilmachungsübung der Flotte angeordnet, an deren Ende nicht demobilisiert wird.

Inzwischen hat Habsburg  den Serben ein Ultimatum gestellt, in dem unter anderem die Zulassung österreichischer Beamter zu den serbischen gerichtlichen Untersuchungen des Thronfolger-Mordes gefordert wird. Das geht den Serben zu weit, und mit der Rückendeckung Rußlands, welches sich seinerseits der französischen Waffenhilfe gewiß sein konnte, lehnen sie am 25. Juli das Ultimatum ab und machen die Armee mobil. Dem folgt noch am gleichen Abend die Teilmobilmachung der östereich-ungarischen Streitkräfte gegen Serbien. Trotz englischer und deutscher Vermittlungsversuche erklärt Habsburg am 28. Juli den Krieg an Serbien.

Wenige Tage später mobilisiert Rußland 13 Armeekorps an der Grenze zu Österreich-Ungarn und macht einen weiteren Tag später am 30. Juli total mobil, das heißt auch gegen Deutschland.

Am 1. August ordnet die französische Regierung die Mobilmachung der Streitkräfte an. Damit tritt das englische Hilfsversprechen von 1911 in Kraft.

Nun erst als  l e t z e der genannten Spielfiguren auf dem Schachbrett des Ersten Weltkrieges verkündet auch die Reichsregierung die Mobilmachung der deutschen Truppen.

Am Ende des Krieges steht Deutschland als Verlierer da. Die Siegermächte beschließen auf der Konferenz in Versailles die Alleinschuld Deutschlands und seiner Verbündeten am Geschehenen, und wer schuldig ist, muß vor allem eines: zahlen…

Wenige Monate später findet sich in der angesehenen britischen Tageszeitung “Times” folgende verblüffend ehrliche Notiz: “Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder Handel zu treiben beginnt, ist dieser Krieg umsonst geführt worden.”

Wie wir alle wissen, h a t Deutschland wieder begonnen, Handel zu treiben und daher mußte auch der Krieg fortgesetzt werden…

Buchtip für ausführliche Informationen: Gerd Schultze-Rhonhof: “1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte”

 

3 Kommentare

2 Pings

  1. Gungnir sagt:

    Fest steht das der Eintritt des Deutschen Reiches in den ersten Weltkrieg ein militärischer Bündnisfall war und das der Versailler Schandvertrag der Keim zum zweiten Weltkrieg wurde!

    Mit patriotischem Gruß Gungnir

  2. Waffenstudent sagt:

    Das Ende der Oblivionsklausel war gleichzeitig Ende des Humanismus

    PROLOG:

    Ich finde es schon erschreckend, wie wenig Informationen man im deutschsprachigen Weltnetz über die Oblivionsklausel findet. Immerhin handelt es sich hier um eine Klausel, deren Abschaffung die totale Vernichtung des deutschen Reiches und der deutschen Kultur zur Folge hatte.

    CETERUM CENSEO GERMANIA ESSE DELENDAM!:

    So wurde anno 1919 in Versailles und den anderen Orten nicht etwa mit den Verlierern verhandelt, sondern über sie zu Gericht gesessen. Wahrend die Delegationen der Sieger konferierten, harrten die Besiegten unter strenger Isolierung in einer Art Hausarrest der Dinge, die da kommen sollten. Es wurde auch nicht- wie bislang in Fiedensverträgen gute Übung – mit einer sogenannten Oblivionsklausel ein Schlußstrich unter den Krieg gezogen, vielmehr hielt jetzt, aber nicht nur im Gefolge der Vierzehn Punkte Wilsons, ein molarisierendes Denken Einzug in die internationale Politik. Sinnfälliger Ausdruck dessen war der berühmt-berüchtigte Kriegsschuldartikel ( Art. 231 ) des Versailler Vertrages.

    Quelle: http://books.google.de/books?id=tvp_a_5 … el&f=false

    EINE DÜRFTIGE DEFINITION AUS WIKIPEDIA:

    Die Oblivionsklausel (lat. Vergessen) war Element vieler europäischer Friedensverträge in der Neuzeit. Sie besagt, dass nach einem Krieg beide Seiten die gegenseitig begangenen Gräuel vergessen würden. Dies hatte die Absicht, dass aus einem Krieg nicht weitere Kriege folgen würden, solange vorangegangene Kriege Gegenstand der Politik waren.

    Die Oblivionsklausel verdeutlicht das Prinzip des europäischen Gleichgewichts in der Neuzeit. Neben den beiden kriegsführenden Mächten, saßen oftmals auch die europäischen Großmächte am Verhandlungstisch. Ihnen war daran gelegen, dass kein Staat durch einseitige Friedensverträge zu viel Macht erlangen konnte.

    Das Ende der Oblivionsklausel leitete der Versailler Vertrag ein. In diesem wurde erstmals von einer Alleinschuld der Mittelmächte gesprochen.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Oblivionsklausel

    DIE ZEIT MEINT DAZU:

    DIE ZEIT, 11.12.1964 Nr. 50 [http://www.zeit.de/1964/50/1919]

    1919

    Bernd-Jürgen Wendt
    Sieger und Besiegte sind ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden

    Fritz Dickmann: Die Kriegsschuldfrage auf der Friedenkonferenz von Paris 1919; R. Oldenbourg Verlag, München; 101 Seiten, brosch., 7,50 DM. Eine der üblichen „Jubiläumsgaben” dieses an historischen „Jubiläen” so. reichen Jahres? Eine neue Stimme in der Diskussion um den deutschen Anteil am Ausbruch des Ersten Weltkrieges? Diese oder ähnliche Fragen, mit denen der Leser das Buch zunächst in die Hand nehmen mag, werden gegenstandslos durch den thematischen und methodischen Ansatz des Autors: Losgelöst von ihrem objektiven Wahrheitsgehalt entwickelt Dickmann mit eingehender Akribie die Genesis der Kriegsschuldanklage von Versailles, ihren Sinn und ihre Wirkungen. Dabei kommt er zu Fragestellungen und Einsichten, die weit über den unmittelbaren Gegenstand der Untersuchung hinaus in unsere Gegenwart, ja sogar Zukunft weisen.

    Denn die „Friedensmacher” von Paris und ihre juristischen Experten sahen sich zum ersten Male der Aufgabe gegenübergestellt, die sich bereits im neunzehnten Jahrhundert abzeichnende, dann durch das Erlebnis des totalen Krieges radikal verschärfte moralische Verdammung einer Aggression und ihres Urhebers im Rechtsempfinden der Völker in einem Friedensvertrag verbindlich zu fixieren und damit möglicherweise sogar einen Weg für eine Fortentwicklung des Völkerrechts im Sinne einer allgemeinen Ächtung des Krieges zu weisen.

    „Well, we are making international law!” warf Lloyd George dem im rechtspositivistischen Grundsatz des „nulla poena sine lege” gegründeten Widerstand der Amerikaner gegen rückwirkende Strafbestimmungen entgegen. Ihm sekundierte von einem Podest sittlicher Unfehlbarkeit der französische Finanzminister Klotz: „Wir wollen unsere Ansprüche nicht auf das Völkerrecht gründen, auf das sich die amerikanische Delegation beruft, denn dieses Recht besteht nur allzuoft aus Präzedenzien von Gewalttat und Macht, sondern auf das common law der Kulturvölker.”-

    Engländer und Franzosen waren sich also voll bewußt, mit der Einführung der Kriegsschuldthese in der Präambel des Vertrages und die Artikel 227 (Kriegsverbrecherartikel) und 231 — sei es, wie zunächst vor allem beabsichtigt, als Rechtsgrundlage für Wiedergutmachungsforderungen, sei es in der späteren Umprägung als moralische Anklage — grundsätzlich mit dem im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten Jus Publicum Europaeum gebrochen zu haben, das Krieg jeder Art zum legitimen Mittel einer souveränen Politik erklärt hatte und dementsprechend auch die „Oblivionsklausel” als „friedewirkendes Vergessen” (H. Rogge) kannte.

    Wurden die Staatsmänner diesem gewaltigen, in die Zukunft weisenden Anspruch gerecht, das überlieferte Völkerrecht durch eine neue Rechtsund Friedensordnung zu ersetzen? Man wird es mit Dickmann verneinen müssen. Mächtig war der Einfluß der „kochenden Volksseele” auf die Verhandlungen in Paris -(„Hang the_ Kaiser, let; the Germans payi”), tief die Verstrickung der europäischen Politiker in das traditionelle machtpolitische Denken, so daß endlich auch Wilson und sein begabter junger Rechtsberater, John Foster Dulles, kapitulierten und ihre Hand zur Abfassung der „Schmachparagraphen” reichten.- Freilich stellt Dickmann mit Recht auch die Frage, ob das energische, die alliierte Haltung aber doch versteifende Auftreten Brockdorff- Rantzaus in Versailles, die bewundernswerte Detailarbeit der deutschen Verhandlungskommission und die leidenschaftlichen Debatten auf der innerpolitischen Bühne eine hinreichende Vorbereitung waren auf das, was Deutschland in Versailles erwartete; ob man nicht dem Pathos der moralischen Diffamierung, dem leichtfertigen Verzicht auf eine lückenlose Beweiserhebung, dem alle Rechtsprinzipien verhöhnenden Versuch, Recht mit rückwirkender Kraft zu schaffen, als Waffe des Unterlegenen den Willen zur rückhaltlosen und ehrlichen Selbstanalyse hätte entgegensetzen sollen, dokumentiert etwa in der frühzeitigen Errichtung eines Staatsgerichtshofes oder parlamentarischen Untersuchungsausschusses oder in einer sofort einsetzenden umfangreichen Aktenedition.

    Dickmann warnt freilich davor, sich die Rolle eines Anklägers anzumaßen gegenüber einer Zeit, die für die Schaffung neuer völkerrechtlicher Normen noch nicht reif war, und einem Klima, das vorwiegend Haß, Rachsucht und machtpolitisches Kalkül prägten. Man wird sich dieser Warnung um so eher anschließen, wenn man sich, angeregt durch seine wohlfundierte und auch für den Nichtfachmann übersichtlich angelegte Darstellung, die Frage vorlegt, wie weit wir die bereits 1914 bis 1918 durch die Brutalisierung des Krieges aufgeworfene Forderung nach einer wirksamen und allgemein bindenden Ächtung jeder Aggression heute unter dem Eindruck einer zweiten Katastrophe und unter der Drohung einer atomaren Vernichtung der Menschheit haben realisieren können. Bernd-Jürgen Wendt

    DIE ZEIT, 11.12.1964 Nr. 50

    Quelle: http://images.zeit.de/text/1964/50/1919

  3. Karl Eduard sagt:

    Bevor ich die damaligen Zeitungen gelesen hatte, war mir aus dem Schulunterricht klar, daß Deutschland den Ersten Weltkrieg entfesselt hatte. Zum Glück gibt es immer mehr Leseunkundige in Deutschland, so daß das auch die kommenden Generationen so lernen und nie hinterfragen werden.

  1. Deutschlands Alleinschuld am Ersten Weltkrieg? « Der Honigmann sagt… sagt:

    [...] http://paukenschlag-blog.org/?p=2974 [...]

  2. Deutschlands Alleinschuld am Ersten Weltkrieg? » Paukenschlag sagt:

    [...] hier den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – Deutschlands Alleinschuld am Ersten Weltkrieg? » Paukenschlag [...]

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