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Jun
08
2011

Deutschland ohne Muttersprache – WM in english und ticketing…

Von wieviel Minderwertigkeitskomplexen geschunden muß eine Volksseele sein, um ihre eigene Sprache zu verleugnen?

Da haben wir bald die Frauen-Fußball-WM in Deutschland und was für ein Lied hat sich der DFB dafür ausgesucht? Etwas, das er nicht Lied sondern “Song” nennt:

JandovaSister hit the goal” heißt der Song der Frauen-Nationalmannschaft zur WM 2011. Gesungen wird er von Marta Jandova, bekannt durch ihre Band “Die Happy”. Die Rocksängerin war zuletzt im Duett mit der Gruppe “Revolverheld” und dem Lied “Halt dich an mir fest” in den Charts.

 

Dabei hätten z.B. “Die Sommermädchen” so schön in deutsche Sprache ein Lied singen können, das wir alle verstehen:

Unterdessen hat der „Verein Deutsche Sprache“ (VDS e.V.) bereits für Wirbel gesorgt. Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA), ist verärgert. Gegen seine Benennung vor einer Woche zum „Sprachpanscher des Jahres 2011“ wehrte er sich mit einer Richtigstellung.

Der VDS hatte Weise mit der folgenden Begründung aufgestellt: „Er hält offensichtlich seine neuen Jobcenter für etwas Besseres als die alten Arbeitsämter und lädt Arbeitgeber zu Start-Up-Coachings und Businesstalks über soft und hard skills ein.“ Gegen diesen Vorwurf verwahrte sich Weise nun. „Knapp daneben ist auch vorbei“, hieß es. Der VDS „schlägt den falschen Hund“, ließ er verlauten. Das Wort „Jobcenter“ stamme gar nicht von Weise.

Das stimmt. Die „Jobcenter“ entstammen dem Hartz-Sprech von 2002, das sich der Gesetzgeber zu eigen machte. Diese Einrichtungen müßten besser und genauer „Arbeitslosenzentren“ heißen. Sie sind nämlich unter anderem für die Verteilung des „Arbeitslosengeldes II“ zuständig, das früher Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe hieß. Somit entsprechen die „Jobcenter“ auch nicht den früheren Arbeitsämtern. Diese heißen heute locker-flockig „Agenturen für Arbeit“ – auch dafür kann Weise nichts.

Allerdings versucht die Bundesagentur für Arbeit nicht, den Schwarzen Peter weiterzugeben, sondern setzt sich mit den Wortschöpfungen auseinander, die sie tatsächlich zu verantworten hat. So habe man darüber beraten, ob „Businesstalk“ zum Beispiel „nicht durch ein besseres Wort ersetzt werden kann“. Weises Leute müssen sich nächtelang das Hirn zermartert haben, bis sie endlich zu dem Ergebnis kamen: „‚Geschäftsgespräch‘ würde den Kern der Sache … nicht treffen, sondern völlig in die Irre führen.“ Für Wörter wie „Unternehmerplausch“ reicht die Sprachphantasie der BA-Bürokraten offenkundig nicht.

„Jobcenter“ und andere deutsche Begriffe

Andere Anglizismen, so ist sich die BA sicher, seien „fester Bestandteil einer Sprache, die in der globalisierten Geschäftswelt gesprochen wird“. Ein „Start-Up“ sei daher nicht rätselhaft, befindet die BA und fährt fort: „Wenn die BA ihren Auftrag für den Arbeitsmarkt erfüllen will, dann muß sie sich an die Gepflogenheiten und damit in bestimmten Fällen auch an die Sprache der heutigen Geschäfts- und Arbeitswelt anpassen.“ Vor allem dort, wo Blender am Werk sind, die einem das Blaue vom Himmel versprechen, sind anglizistische Nebelwörter gang und gäbe. Sind etwa deswegen in der Bundesagentur für Arbeit Wörter wie Unternehmensgründung/Jungunternehmen (BA: „Start-up“) und Ableger/Ausgründung (BA: „Spin-off“) nicht erlaubt?

Möge die Bundesagentur für Arbeit künftig doch etwas mehr Vernunft zeigen als jener Sprecher des Hamburgischen „Jobcenters“, der Anfang 2006 dem Altonaer Wochenblatt aufgeräumt erklärte: „Wir schaffen zur Zeit ein neues Corporate Design und werden in Zukunft nur deutsche Begriffe gebrauchen – wie zum Beispiel Fallmanager und Jobcenter.“ Zwar gibt es diese Mischmaschwörter tatsächlich nur im Deutschen; deswegen sind sie aber noch lange nicht deutsch…. berichtet die JUNGE FREIHEIT

Inzwischen wird immer mehr Menschen klar, wie dumm und angepaßt die denglischen entartungen unserer Sprache sind – so wie

Wischmeyer mit seinem “Schwarzbuch der Bescheuerten – Ekelige Amiwörter”

 

“Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenschaften ihres Geistes und ihrer Sprache nimmt.”  Immanuel Kant

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1 Kommentar

  1. Rurik sagt:

    Zum Thema „Businesstalk“.
    Es ist doch so einfach.

    Das Original der Bundesagentur:

    “Herzlich willkommen!

    BUSINESS TALK ist die neue Eventreihe, die für alle gemacht ist, die etwas bewegen wollen – im Unternehmen, in der Arbeitswelt, in der Wirtschaft insgesamt. Welche Trends gibt es? Welche Fakten sind wichtig? Welche Chancen werden sich ergeben? Auf diese und viele andere Fragen geben kompetente Referenten Antworten, bieten interessante Einblicke und setzen mit Hintergrundinfos wichtige Impulse.

    Das Ganze findet in einer offenen und entspannten Atmosphäre statt, in der viel Platz für Diskussionen und informellen Austausch ist. Schön, wenn wir Sie schon bald beim BUSINESS TALK in Ihrer Nähe begrüßen dürfen. Anmelden können Sie sich gleich hier an Ort und Stelle. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
    BUSINESS TALK. Eine Initiative des Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit.”

    Mein Vorschlag (kaum umgestellt):

    Herzlich willkommen!

    Die UNTERNEHMERRUNDE ist unser neues Angebot für alle, die etwas bewegen wollen – im Unternehmen, in der Arbeitswelt, in der Wirtschaft insgesamt. Welche Entwicklungsrichtungen gibt es? Welche Fakten sind wichtig? Welche Möglichkeiten werden sich ergeben? Auf diese und viele andere Fragen geben sachkundige Referenten Antworten, bieten aufschlussreiche Einblicke und geben Ihnen durch Hintergrundinformationen wichtige Anregungen.

    Das Ganze findet in einer offenen und entspannten Atmosphäre statt, in welcher viel Platz für Gespräche und Meinungsaustausch vorhanden ist. Es wäre schön, wenn wir Sie schon bald in unserer UNTERNEHMERRUNDE begrüßen dürften. Anmelden können Sie sich gleich hier an Ort und Stelle. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

    UNTERNEHMERRUNDE. Eine Initiative des Arbeitgeber-Dienstes der Bundesagentur für Arbeit.

    Zwar noch ohne den letzten Feinschliff, aber sicherlich schon besser als das Werk der Sprachkünstler der Bundesagentur für Arbeitslosenverwaltung. – Oder?

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