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Jun 21 2012

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Im Gespräch – Patrik Brinkmann: „Nicht die Schlachten der Vergangenheit schlagen!“

Wir veröffentlichen hier vorab ein Gespräch der österreichischen Zeitschrift Aula mit dem deutsch-schwedischen Unternehmer Patrik Brinkmann

 

AulaAula: Herr Brinkmann, Sie haben für eine Weile die etablierte politische Szene in Deutschland sehr beunruhigt – auch in den österreichischen Medien haben wir von Ihnen gehört. Dann hieß es, Sie ziehen sich aus der Parteipolitik zurück. Unsere erste Frage: Ist das eine endgültige Entscheidung?
BrinkmannBrinkmann: Ich hatte mich im Grunde bereits im Jahre 2010 entschlossen, zunächst nicht mehr in der Parteipolitik tätig zu sein. Für mich war immer die einzig relevante Frage, ob und wie es möglich ist, einen wirklichen freiheitlichen politischen Erfolg in Deutschland zu erzielen. Seitdem ich vor nunmehr fünf Jahren von Schweden aus nach Berlin übergesiedelt bin, konnte ich in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln. Zunächst einmal, daß es mit der freien Gesellschaft in Deutschland nicht so weit her ist – jedenfalls nicht, wenn man einmal in grundsätzlichen Fragen widerspricht und eine wirklich oppositionelle und eigenständige Meinung äußert. Wenn man das Ganze von außen sieht, also in meinem Fall von Schweden, dann konnte man sich das Ausmaß der Repression kaum vorstellen. Ich dachte mir immer, wenn ich das von deutschen Freunden hörte: So schlimm wird es schon nicht sein. Aber heute weiß ich: Es ist noch schlimmer.
Jeder, der in Deutschland vom Mainstream als Gegner angesehen wird, der wird bis hin zum Versuch, seine wirtschaftlichen Grundlagen zu zerstören, bis auf das Letzte verfolgt. Das Ergebnis – das konnte ich feststellen – ist aber nicht, daß sich die Opposition unter dem äußeren Druck zusammenschließt. Vielmehr fragmentiert sie sich noch umso stärker. Ich mußte das bei meinen Bemühungen, in Berlin zu einer Einigung zwischen den freiheitlichen Parteien bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus zu kommen, die dann doch gegeneinander antraten, leidvoll erfahren. Eine Einigung ist einfach noch nicht möglich. Wissen Sie, ich bin Geschäftsmann, ich arbeite seit Jahrzehnten an der Börse. Und ich glaube, daß politische Geschäft funktioniert in seiner Struktur nicht viel anders.
An der Börse muß man auf der Hut sein. Man verkauft Aktien, bevor sie in den Keller gehen. Und man kauft sie auch wieder an, bevor sie steigen. Das mag etwas herzlos klingen, wenn ich sage: Parteipolitisch ist das nicht viel anders. Aber es geht auch in der Politik nicht um den guten Willen oder um einen guten Vorsatz, sondern ganz allein nur um den Erfolg, der eine Voraussetzung für die Veränderung ist. Damit verrate ich nicht meine Ideale, sondern ich räume nur ein, daß sie unter bestehenden Voraussetzungen noch nicht realisierbar sind. Das richtet sich noch nicht einmal gegen die beteiligten Personen. Wenn Umstände ungünstig sind, kann man oft nur wenig machen. Aber auch umgekehrt sind gute Voraussetzungen nicht immer ein Freifahrtschein für Erfolg, wie man jetzt an der Facebook-Aktie sieht.
Einerseits bedarf es zur Regeneration der Opposition in Deutschland und zur Etablierung eines wirksamen Gegengewichts zum Linksruck einer Neuformierung der Opposition. Das Stichwort ist hier: Gemeinsames Vorgehen und klare Trennlinien. Es gibt noch immer Rechte in Deutschland, die beschäftigen sich mehr mit der Revision der Vergangenheit als mit der Revision der Gegenwart. Mit solchen Leuten kann es kein Zusammengehen geben. Statt Angst sollte die Liebe zum Vaterland die Grundlage für das politische Engagement sein, um eine miserable Politik zu ändern. Das ist auch mein Ziel. Und wenn sich auch nur annähernd die Voraussetzungen ergeben, werde ich meinen Beitrag zum Gelingen leisten.
Aula: Wovon hängt für Sie das politische Engagement ab?
Brinkmann: Politisches Engagement, das ist nun ein weit gefaßter Begriff. Politisches Engagement fängt ja jeden Tag an. Und insofern gibt es immer Dinge, auch vor Ort, die ich unterstütze oder an denen ich mich beteilige – auch nach meiner zeitweiligen Verabschiedung aus der aktiven Parteipolitik. Sie meinen aber wahrscheinlich das große politische Engagement, die großen Wahlen. Zunächst einmal: Ich bin nach Deutschland gezogen, weil es mein Mutterland ist, im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Mutter ist hier geboren, sie ist in der Fremde aufgewachsen, und ich trage zwei Vaterländer in meinem Herzen. Vielleicht ist Europa für mich deshalb immer so wichtig gewesen. Ich bin hierher gezogen, weil ich dieses Land mitgestalten und verändern will, weil es mir persönlich und biographisch am Herzen liegt und weil es wichtig für Europa ist.

Wenn sich etwas in Deutschland verändert, wird man die Auswirkungen auf dem ganzen Kontinent spüren. Leider gilt das auch für den umgekehrten Fall. Wie alle letzten Wahlen gezeigt haben: Trotz engagierter Versuche konnte kein Durchbruch erzwungen werden. Dazu müssen viele Faktoren zusammenspielen. Wenn die wichtigen Parameter stimmen, dann werde ich versuchen, meinen Teil zum Gelingen beizutragen. Ich habe viel Erfahrung aus der Forschung, sowohl im naturwissenschaftlichen wie geisteswissenschaftlichen Bereich, und ich habe mich lange in der Wirtschaft bewegt und habe manche Wirtschaftskrisen durchgestanden. Ich denke, mit dieser Erfahrung kann ich persönlich etwas zum Gelingen beitragen.

Aber natürlich werde ich, wie bereits schon in der Vergangenheit, auch finanziell den mir möglichen Beitrag leisten. Ich hatte in vergangenen Wahlkämpfen schon viele Vorschläge zur Binnenmobilisierung gemacht; etwa in der Weise, daß ich verdoppele, was von der Basis gespendet wird. Ich denke, Politik funktioniert nicht, indem man auf den Weihnachtsmann wartet, der den Sack aufmacht. Es muß immer schon eine gewisse kritische Masse da sein, damit etwas in Bewegung kommen kann. Wenn dann nicht der Fall ist, dann lohnen sich keine Investitionen. Aber ich kann Ihnen versichern: Ich brenne darauf, daß die Dinge in Bewegung geraten. Und ich spüre immer mehr: Diese Tag wird gar nicht so fern sein.
Aula: Wie wir alle wissen, ist in Deutschland die Etablierung einer „dritten Kraft“, wie sie in Österreich in Form der FPÖ existiert, sehr schwierig. Sehen Sie trotzdem Chancen dazu?
Brinkmann: Natürlich bestehen Chancen, vor allem, wenn sich das freiheitliche Lager in Deutschland entsprechend entwickelt. Es gibt zu viele Akteure, die in der einen oder anderen Weise vor allem der Vergangenheit nachhängen und die deshalb immer Schwierigkeiten haben werden, in die Zukunft zu finden. Von solchen Leuten muß man sich verabschieden – oder diese Leute müssen sich von ihren liebgewordenen Vorstellungen lösen. Wir haben massive Probleme, heute und nicht gestern. Wer Geschichte bearbeiten will – ich habe dafür größtes Verständnis –, der soll Historiker werden. Ich habe mich selbst lange mit Genealogie und mit der Geschichte Europas beschäftigt. Das ist natürlich wichtig, damit man sich ein Grundfundament legt, aber es ist nicht das, was die Menschen heute interessiert.

Die wichtigsten Punkte für eine neue Reformrechte, das ist der Kampf um die Souveränität der europäischen Völker und Staaten, die im Zuge der EU-Diktatur immer weiter abgebaut wird. In diesem Zusammenhang ist die immer weiter fortschreitende Entdemokratisierung zu nennen. Das Dritte Lager in Deutschland muß wie in Österreich freiheitlich sein, sonst hat es keine Zukunft. In diesem ersten Punkte gehört der Kampf gegen diese EU und gegen diesen Euro. Die Bewahrung unserer europäischen Kultur muß der nächste wichtige Punkt sein. Das schließt die Regeneration der kulturellen und politischen eigenen Kräfte ein und bedeutet gleichzeitig der Abschied der derzeit stattfindenden Masseneinwanderung nach Europa, die nur zu weiteren sozialen und kulturellen Spannungen führen wird. Der Kampf gegen die Islamisierung ist ein Teil dieser wichtigen politischen Forderung. Schließlich muß das freiheitliche Lager in Deutschland sich auch – wie die FPÖ – als soziale Heimatkraft darstellen, der das Wohl der Bürger vor Ort auf dem Herzen liegt, statt die Welt in den entlegensten Winkeln retten zu wollen.

Wenn wir uns in Deutschland auf diese wichtigen Themen konzentrieren und wenn sich vor allem eine Einheit derjenigen ergibt, die diese Grundagenda unterstützt, dann kann ich mir schon vorstellen, daß in das nächste Europaparlament auch bundesdeutsche Abgeordnete einziehen werden.
Aula: Alle reden von Europa, Die Freiheitlichen scheinen die einzigen zu sein, die auch europäische Visionen haben. Mit Ihrer Denkfabrik „Kontinent Europa“ hatten Sie schon vor Jahren europapolitische Visionen entworfen. Wie kann man der Europapolitik eine neue Seele einhauchen?
Brinkmann: Wir sehen ja in ganz Europa, wie das geht. Ich freue mich über die Nachrichten aus Schweden, Flandern, Frankreich oder Serbien. Überall dort hat man den Dreh raus. Es sind dort die wesentlichen Elemente, die wir in hochkarätiger Besetzung vor einigen Jahren in Saltsjöbaden herausgearbeitet hatten. Ich erinnere mich noch sehr gut an die konstruktiven Beiträge von Professor Wolfgang Seiffert, der damals mit dabei war. Im Kern geht es darum, für die Souveränität und die Freiheitsrechte der europäischen Völker zu streiten. Die Bevormundung durch die EU-Bürokratie hat derartig absurde Ausmaße angenommen, daß sich ja auch in Deutschland in vielen Initiativen bereits Widerstand regt.

Vor einigen Tagen gingen erst fast 1.000 Leute, die nicht parteipolitisch organisiert waren, gegen den ESM-Vertrag auf die Straße. Selbst fünf Abgeordnete im Bundestag sind inzwischen aufgewacht. Das sind alles hoffnungsfrohe Zeichen, daß es auch in Deutschland bald wirkliche Opposition gibt. Was heute unter EU läuft, das ist gar nicht Europa. Europa ist dort, wo die vielfältigen regionalen Traditionen leben, Europa ist dort, wo die Vielfalt der Kulturen und Sprachen ein buntes Bild gibt, Europa ist dort, wo die Bürger ihre Traditionen und ihre Identität schon jetzt leben und pflegen. Wir müssen nur die Bürokraten aus den Bürostühlen und Sesseln verjagen und für eine Renaissance der Demokratie, der Herrschaft des Volkes, sorgen.
Aula: Das Verhältnis zu Rußland haben Sie stets betont. Wie kann Europa an einer engen Beziehung mit Rußland profitieren und umgekehrt?
Brinkmann: Europa kann nicht ohne Rußland sein und Rußland nicht ohne Europa. Das ist eine der Kernbotschaften, die wir auch seit Jahren bei „Kontinent Europa“ klargemacht haben. Wir haben eine sehr profunde Ausarbeitung über die russische Geschichte herausgegeben und finanziert, die deutlich macht, wie eng Rußland mit der europäischen Kultur verwoben ist. Der ganze osteuropäische Raum ist ein Gebiet, in dem die größte wirtschaftliche Dynamik steckt. Dort sind junge Leute, die bildungs- und erfolgshungrig sind. Wir müssen dieses Potential nutzen.

Ich hatte vor Jahren bereits die Schaffung einer Freihandelszone im Gebiet des einstigen Königsberg mit Professor Daschitschew, dem ehemaligen Gorbatschow-Berater, in die Diskussion gebracht. Wir sollten nicht die historischen Rechnungen von gestern oder vorgestern aufmachen, sondern wir sollten sehen, daß wir das Potential von morgen nutzen. Rußland ist nicht nur ein Land mit Bodenschätzen, sondern ein Land mit jungen Wissenschaftlern und guten Ideen. Königsberg könnte eine Drehscheibe sein, von der ganz Europa profitieren könnte. Statt immer über den Niedergang zu reden und Geld in marode Gebilde zu stecken, ob nun Banken oder Staaten, sollte man lieber in wirtschaftlich innovative Ideen stecken. Über Rußland wird da viel möglich sein.
Aula: Welche Kernthemen sind Ihrer Auffassung nach von besonderer Bedeutung?
Brinkmann: Ich fasse das gern noch einmal zusammen. Wichtig ist, daß wir uns auf zukünftige Themen konzentrieren und daß wir uns vor allem auf wenige Kernthemen konzentrieren. Denn wir brauchen in Deutschland und darüber hinaus in ganz Europa einen Konsens. Dieser Konsens muß dazu führen, daß wir die sozialistische und bürokratisierende EU abwickeln, daß wir endlich die Masseneinwanderung nach Europa eindämmen und gleichzeitig unsere Identität und europäische Leitkultur stärken und daß wir die Souveränität der europäischen Völker zurückgewinnen, die erst Voraussetzung für die Verwirklichung des europäischen Gedankens ist.

Lassen Sie mich das zum Schluß an einem Beispiel erläutern: Eine gute Ehe erreicht man nicht dadurch, daß die Partner ihre Identität aufgeben. Eine gute Partnerschaft ist erreicht, wenn wir zwei Individualitäten haben, die sich in ihren Eigenheiten akzeptieren und die ein Bündnis in Treue und Ehrlichkeit schließen. Genauso ist es auch mit Staaten. Wir wollen keinen europäischen Einheitsstaat, sondern wir wollen ein Bündnis der europäischen Völker. Jeden Schritt, jeden Schritt, der ehrlich gemeint ist, werde ich mit meiner ganzen Kraft unterstützen.

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1 Kommentar

  1. Geste

    “Es gibt noch immer Rechte in Deutschland, die beschäftigen sich mehr mit der Revision der Vergangenheit als mit der Revision der Gegenwart. Mit solchen Leuten kann es kein Zusammengehen geben. Statt Angst sollte die Liebe zum Vaterland die Grundlage für das politische Engagement sein, um eine miserable Politik zu ändern.” Hier irrt Herr Brinkmann! Es ist leider so, die Lügen werden uns Deutschen immer noch um die Ohren gehauen! “Aufgrund unserer Geschichte, aufgrund unserer Vergangenheit,” so tönen doch immer noch unsere Politiker! Wären die Nürnberger Prozesse fair und ehrlich abgewickelt worden, dann hätte den angeklagten deutschen Führungskräften eine deutsche Verteidigung zugestanden mit Akteneinsicht und all den Dingen, die zu einer ordentlichen Verteidigung gehören. Dann wären L i c h t und Schatten der NS-Regierung ehrlich gezeigt worden. Man kann sich nicht herausreden mit Nazis = Verbrecher! Sie bildeten immerhin 12 Jahre die deutsche Regierung, vom deutschen Volk gewählt! Auch das sogenannte “Ermächtigungsgesetz” ist nur durch die Zustimmung des deutschen Volkes möglich gewesen. Das vieles nicht mit rechten Dingen zuging, zeigt die Ermordung von Rudolf Heß! Warum ist die Ermordung der deutschen Regierung gleichgültig? Wäre es den Briten unangenehm geworden, wenn Heß die Möglichkeit gehabt hätte, seine Sicht der Geschichte zu erzählen? Warum werden die Brutalitäten der Vertreibung an den Ostdeutschen verschwiegen? Warum interessiert sich die deutsche Regierung nicht für die okkupierten deutschen Ostgebiete? Warum wird die Zahl der zivilen Opfer des Bombenterrors heruntergerechnet, bezw. verniedlicht? Warum wird die Niederlage Deutschlands als Befreiung bezeichnet? Warum fährt eine deutsche Kanzlerin zu einer Siegesfeier der Sowjetarmee nach Moskau? Warum trägt Deutschland die alleinige Schuld am Ausbruch beider Weltkriege? Es sind noch viele Fragen dazu. Wer seine Vergangenheit nicht kennt, kann seine Zukunft nicht gestalten und versteht auch nicht, warum
    uns der Euro aufgeschwatzt wurde und warumm wir für alle in Europa zahlen sollen! Erst wenn alle Lügen beseitigt sind, können wir Deutschen unser Haupt wieder f r e i erheben!

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