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Jul 31 2012

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Vorauseilender Gehorsam–ein Kommentar

PapachristouEine griechische Dreispringerin wurde von den Olympischen Spielen ausgeschlossen – wegen eines angeblich rassistischen Twitter-Kommentars. Paraskevi „Voula“ Papachristou hätte sich verletzend über afrikanische Einwanderer in ihrem Heimatland geäußert, hieß es. „Kommentare dieser Art werden nicht akzeptiert. Sie wurde ausgeschlossen“, sagte der Chef der griechischen Olympiamannschaft, Isidoros Kouvelos, einem nationalen Radiosender.

Wären einem die Spielregeln der politisch korrekten Sportwelt nicht bekannt, man würde glauben, Papachristou habe mindestens so etwas Abschätziges gesagt wie: „Scheiß Neger!“ Es muß nur laut genug „Rassismus, Rassismus“ gerufen werden und schon glauben alle, es sei wirklich jemand aufgrund seiner Abstammung oder seiner Herkunft als minderwertig beurteilt worden – und sind tief betroffen.

Aber natürlich war das nicht so. Was die griechische Athletin twitterte, war vielleicht nicht besonders klug – aber sicher nicht rassistisch. Sie schrieb: „Mit so vielen Afrikanern in Griechenland werden die Mücken aus dem West-Nil essen wie zu Hause.“ In den vergangenen Monaten waren in Athen mehrere Menschen nach Mückenstichen am West-Nil-Fieber erkrankt.

Die eigenen Gleichheitsvorstellungen überdenken

Würde man dasselbe über Menschen aus meiner mückengeplagten Heimat sagen, also so etwas wie: „Mit so vielen Finnen in Deutschland werden die Mücken aus West-Aurajoki essen wie zu Hause“, wäre das eher zum Kichern. Das können die Finnen doch schon ab, würde es heißen. Niemand käme auf die Idee, an Rassismus zu denken. Nur warum können die witzigen Finnen das aushalten, aber die „armen“ Afrikaner nicht?

Und was ist mit den unzähligen Witzen über die „faulen“, „korrupten“ und „verschwenderischen“ Griechen, die seit der Euro-Krise im Umlauf sind? Sicher wäre kein Sportler wegen eines solchen Tweets ausgeschlossen worden.

Der Unterschied? Abgesehen von den Politikern, die mit Rettungsschirmen immer neues Geld nach Athen pumpen, ist die Allgemeinheit der Ansicht, daß die Griechen selbst für ihre Misere verantwortlich sind. Für Afrikaner gilt das natürlich nicht. Hier sind der Westen und die Kolonialzeit schuld und deswegen wird auch wegen eines harmlosen Witzes über Mücken in vorauseilendem Gehorsam die gesamte Sportlerkarriere einer jungen Athletin zerstört.

Doch wer Afrikaner im 21. Jahrhundert immer noch nicht als mündige Menschen sieht, sondern nur als zu schützende potentielle Opfer von Rassismus und Diskriminierung, der sollte seine eigenen Gleichheitsvorstellungen nochmals überdenken.

Quelle: JF

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