Tag Archiv für 1. Weltkrieg

Sedan: Ehrenmal vor Abriss!

Denkamal SedanStadt Sedan will deutsches Kriegerdenkmal verschwinden lassen.
Im symbolträchtigen Städtchen Sedan in den Ardennen soll eine der letzten erhaltenen deutschen Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs abgerissen werden.

Von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hatte die Stadt
bereits vor längerem beschlossen, das Gefallenenehrenmal von 1915 wegen
Baufälligkeit abreißen zu lassen.

Die Nekropole wurde während des Krieges von deutschen Truppen für ihre
gefallenen Kameraden errichtet und gehörte zu einem Soldatenfriedhof, der an
den städtischen Friedhof Saint-Charles angegliedert war. Nach dem für
Deutschland verlorenen Krieg ebneten die Franzosen den Kriegerfriedhof ein.
Heute ist das monumentale und sowohl kunst- wie kulturhistorisch wertvolle
Ehrenmal in einem jämmerlichen Zustand, die deutschen Inschriften sind
teilweise abgefallen oder verwittert, das Betreten lebensgefährlich. Derweil
weist die Netzseite der Stadt das Kriegerdenkmal als historische
Sehenswürdigkeit aus.

Um Angelegenheiten der Kriegsgräber im Ausland kümmert sich das deutsche
Auswärtige Amt. Die pflegerische Arbeit vor Ort nimmt in gesetzlichem
Auftrag der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wahr. Mit Frankreich
besteht seit 1956 ein Abkommen über die deutschen Kriegsgräber auf
französischem Hoheitsgebiet.

Da die eigentlichen Soldatengräber auf besagtem Friedhof nicht mehr bestehen, fühlt sich der Volksbund aber nicht zuständig. Vor dem Hintergrund des baldigen Gedenkjahrs 2014 zum 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs 1914 und den im Zuge des verfehlten Euro-Abenteuers aufgekommenen antideutschen Stimmungen jenseits des Rheins wirkt die pietätlose Entscheidung der Stadt Sedan dennoch unsensibel und nicht durchdacht.  

(Anmerkung PAUKENSCHLAG: oder eher wohlgeplant!)

Preußische Allgemeine Zeitung – Ausgabe 13/12 vom 31.03.2012

Zum 9. November: Wider den angelsächsischen Liberalismus

KroneDer 1. Weltkrieg, der zwei Tage nach dem Gang Kaiser Wilhelms II. ins holländische Exil am 9. November 1918 mit dem Waffenstillstand von Compiègne ein Ende fand, besiegelte auch den Untergang eines politischen Systems, welches ein funktionierendes Gegenmodell zum angelsächsischen parlamentarischen Liberalismus darstellte: die sozialkonservative deutsche Monarchie.

Der größte Mangel an diesem System war es sicherlich, daß kaum einer der Zeitgenossen die deutsche Monarchie auch als eigenständiges und erhaltenswertes Modell definiert hat. Die Demokratien England und Frankreich hatten die modernen Ideen und die großen philosophischen Gedanken und Utopien auf ihrer Seite: Freiheit, Demokratie, Selbstbestimmung. Diese spiegelten sich selbst in US-Präsident Wilsons 14 Bedingungen für einen Frieden wider.

Am Ende glaubten sogar die Deutschen, daß endlich alle Völker in Freiheit und selbstbestimmt ein besseres Leben führen könnten, wenn nur die Monarchie nicht mehr bestünde. Es ist dabei nicht so, daß es Freiheit und Selbstbestimmung auf deutscher Seite nicht gegeben hätte. Es gab in vielerlei Hinsicht im Deutschen Kaiserreich sogar mehr davon als bei den Kriegsgegnern. Doch wirkte das Kaiserreich gegen die von seinen Feinden wirksam propagierten Ideen wie ein Anachronismus und Deutschland wurde während des Krieges als ein rückständiges Volk von grausamen Barbaren dargestellt.

Daß diese Barbaren erstmalig in der Geschichte ein funktionierendes System sozialer Sicherungen aufbauten, die niedrigste Analphabetenrate unter den Großmächten besaßen, führend in allen Wissenschaften waren und als einzige bedeutende Nation einen friedlichen Ausgleich zwischen Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft herbeiführten, wird heute von der Mehrheit der Historiker unter negativer Konnotation als widernatürlicher „deutscher Sonderweg“ bezeichnet, dessen Ende zu Gunsten des angelsächsischen Weges ohnehin nur eine Frage der Zeit war .

Heute hat sich die angelsächsische Sicht nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft fast überall in der Welt durchgesetzt, obwohl auch nach dem Kaiserreich bis zum Vertrag von Maastricht 1992 Reste des deutschen Modells weiterbestanden. Haben Sie sich schon einmal gefragt, aus welchem Kulturkreis die Flexibilisierung von Arbeitsverträgen im Hinblick auf befristete Verträge und Zeitarbeit, die gigantischen Managerprämien, die Börsenspekulationen ohne Grundlage in der Produktion oder die ständige Vereinfachung von Entlassungen kommen? Und wo wurde lange bei äußerst geringer Arbeitslosigkeit die Loyalität zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestärkt, gab es eine stillschweigende Kontrolle der Märkte durch Kartelle von Traditionsunternehmen, welche ausufernde Prämien und eine arbeitnehmerunfreundliche Entlassungspolitik verhinderte?

Dies ist nur ein kleines Beispiel dafür, warum der noch immer für eine dogmatische Wahrheit genommene angelsächsische Weg nicht immer der richtige sein muß. Weitere Beispiele gibt es viele, doch würden sie hier den Rahmen sprengen.
Zusammenfassend kann dem deutschen Sonderweg gerade mit Blick auf das Versagen von Politik und Wirtschaft in unseren Tagen im Gegensatz zur Auffassung einiger Historiker sehr viel Positives abgewonnen werden. Unter den Kaisern wurde ein großes Maß an Freiheit ermöglicht, aber ohne größeren Zwang gleichzeitig so gezügelt, daß ein Ausgleich unterschiedlicher Interessen und gesellschaftlicher Schichten – zwischen allen Untertanen Seiner Majestät – möglich wurde.

Der deutsche Sonderweg ist nicht von selbst gescheitert. Er ist durch äußere Gewalt beendet worden. In der Zeit der Finanz-, Schulden- und Wirtschaftskrise sollte er ein attraktives Modell darstellen, welches für Europa Lösungen und Auswege jenseits der eingefahrenen Wege bietet.

Quelle: Corona-Nachrichten

Der Versailler Vertrag und seine Folgen

Der erste Weltkrieg forderte etwa 8,5 Millionen Tote und mehr als 21 Millionen Verwundete.

Wir gedenken heute aller Opfer dieses Krieges. Unser besonderes Gedenken gehört heute den 2 Millionen deutschen Soldaten, die für Volk und Vaterland treu und ehrenvoll ihr Leben ließen.

Am 11.November 1918 um 11 Uhr schwiegen die Waffen. Waffenstillstand! In Folge wurde Deutschland im Versailler Diktat erniedrigt und betrogen und damit ein Keim für den nächsten Waffengang – den 2.Weltkrieg gelegt:

Die Vorgeschichte

Das deutsche Drama nach dem Ersten Weltkrieg beginnt damit, daß US-Prädident Wilson der deutschen Seite noch im Kriege einen Friedensschluß anbietet, den die Sieger später ignorieren. Wilsons Friedensangebot  – die sogenannten 14 Punkte -  enden mit den Sätzen:

„Wir sind nicht eifersüchtig auf die deutsche Größe und es ist nichts in diesem Angebot, das sie verringert. … Wir wünschen nicht, Deutschland zu verletzen oder in irgendeiner Weise seinen berechtigten Einfluß oder seine Macht zu hemmen. … Wir wünschen nur, daß Deutschland einen Platz der Gleichberechtigung unter den Völkern einnimmt, statt eines Platzes der Vorherrschaft.“

Dem US-Angebot folgen je fünf Noten von amerikanischer und von deutscher Seite, in denen man sich gegenseitig versichert, daß man sich an die 14 Punkte halten wolle. Die einzige Abtrennung deutsch besiedelten Gebietes, die schon dort vereinbart wird, ist die Abtretung Elsass-Lothringens an Frankreich. Mit der Zusicherung „Wir wünschen nur, daß Deutschland einen Platz der Gleichberechtigung unter den Völkern einnimmt.“ legt Deutschland seine Waffen nieder und beginnt, die Truppen aufzulösen.

Die Konferenz

Es kommt zum Waffenstillstand und der Konferenz von Versailles, die in fataler Weise Geschichte schreiben wird. Die Konferenz leitet nun nicht mehr Woodrow Wilson, dessen 14-Punkte-Vorschlag die deutsche und österreichisch-ungarische Seite verleitet hatte, ihre Truppen von den Fronten abzuziehen und in der Heimat aufzulösen. Die Konferenz leitet der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau. Clemenceau erkennt die 14 –Wilson-Punkte in den Teilen, die Deutschlands Nachkriegsrechte sichern sollten, nicht mehr an, und er lässt die deutsche Konferenzdelegation auch nicht zu den Verhandlungen zu. So verhandeln Briten, Franzosen, Amerikaner, Belgier, Polen und weitere 22 Siegerstaaten geschlossen unter sich. Sie beschließen die Abtrennung deutscher Gebiete und die Geld- und Sachreparationen, die Deutschland an sie abtreten, zahlen oder leisten soll. Sie legen die nach Versailles genannte Nachkriegsordnung für Europa zu den alleinigen Lasten der Besiegten fest.

Am 7. Mai 1919 werden die von den 27 Siegerstaaten festgelegten Bedingungen erstmals der deutschen Delegation eröffnet. Clemenceau überreicht sie mit den Worten: „Die Stunde der Abrechnung ist da.“ Die Bitte der deutschen Delegation, den „Vertrag“, den sie nun unterschreiben soll, vorher zu verhandeln, wird abgelehnt. Um dem Ausmaß ihrer Forderungen den Anschein von Berechtigung zu geben, versteigen sich die Sieger dazu, Deutschland und seinen Kriegsverbündeten die Alleinschuld am Ersten Weltkriegs zuzuschreiben. Der Vertrag verlangt von Deutschland eine große Zahl von Land- und Bevölkerungsabtretungen: das zu 88% deutschsprachige Elsaß-Lothringen an Frankreich, die Provinzen Posen, fast das ganze, zu 70% deutschsprachige Westpreußen und das oberschlesische Industriegebiet an Polen, das Memelgebiet an den Völkerbund, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Nordschleswig an Dänemark, das Gebiet um die zwei Städte Eupen und Malmedy an Belgien und Danzig mit dem Umland als Freistaat unter die Hoheit des Völkerbunds. Der Vertrag stellt das Saargebiet für 15 Jahre unter Frankreichs Herrschaft. Er verbietet außerdem den Anschluß Rest-Österreichs an Deutschland, den die neue Wiener Nationalversammlung gleich nach dem Krieg gefordert hatte. Mehr als die Landverluste schmerzen die erzwungenen Bevölkerungsabtretungen. Die Ausgliederung von 7 Millionen Menschen aus dem Deutschen Reich und die Grenzen neuer Staaten trennen Millionen von Familien auf unbestimmte Dauer. Mit dem Vertrag verliert Deutschland seine Kolonien, zumeist an England. Die Streitkräfte werden auf 100.000 Mann im Heer und 15.000 in der Marine reduziert. Das Deutsche Reich muß den größten Teil der Handelsflotte und der Goldreserven an die Sieger übergeben, dazu einen Großteil seiner jährlichen Eisenerz- und Kohleförderung, Unmengen von Nutzvieh und Landwirtschafts-maschinen, 150.000 Eisenbahnwaggons und viele tausend Lokomotiven und Lastkraftwagen. Das gesamte private Auslandsvermögen und unzählige Industriepatente werden konfisziert. Die Geldzahlungen sind exorbitant und über 70 Jahre zu bezahlen. Deutschland wird sie, wie sich später zeigen wird, nie in voller Höhe zahlen können.

Die Folgen

Die unmittelbarste Folge sind die Ausweisung oder Flucht von über einer Million Deutscher aus ihrer Heimat in das deutsche Kernland, das zu der Zeit weder Arbeitsplätze noch Wohnraum noch soziale Hilfe für die Vertriebenen im nötigen Maße bieten kann. Dazu kommen über 20 Jahre lang für viele Millionen Deutsche, die sich entschlossen hatten, in ihrer angestammten Heimat zu verbleiben, eine Mischung von unfreundlicher Duldung, Diskriminierung, Entrechtung und Verfolgung in den Staaten, denen sie nun ungefragt und ungebeten angehören müssen. Die kurze Zeit bis 1939 läßt kein Vergessen der selbst erlebten Schicksalsschläge zu. Als ab 1934 die wirtschaftliche Lage Deutschlands wieder deutlich besser wird, und die Vertriebenen in ihrer Mehrzahl wieder Arbeit, Lohn und Wohnraum finden, und als zwischen 1935 und ´38 erst des Saargebiet, dann die Sudetenlande und dann das Memelgebiet und damit über 3 Millionen Deutsche „heim ins Reich“ kehren, wollen vor allem diese gerade von der Fremdherrschaft erlösten Menschen sicher nicht schon 1939 wieder eine nächsteNiederlage gegen ihre Fremdherrschaft von gestern. Für sie   – wie für die Mehrheit aller Deutschen -  ist der neue Kriegsanlaß von 1939  – Danzig, die Verkehrswege ins abgetrennte Ostpreußen und die Garantie der Menschenrechte für die in Polen lebenden Volksdeutschen -  nur die konsequente Fortsetzung einer Außenpolitik, die ihnen gerade selbst die Befreiung von einer Fremdherrschaft beschert hat.

Der Erste Weltkrieg ist für fast alle kämpfenden Parteien auch ein finanzieller Opfergang gewesen. Die Deutschen hatten ihre Kriegsausgaben mit Steuern und mit Staatsanleihen selber finanziert. Briten und Franzosen hatten sich die nötigen Gelder größtenteils bei Banken in Amerika geliehen. Die Kriegskosten der USA dagegen waren durch den späten Eintritt in den Krieg relativ gering geblieben. So versuchen die Regierungen Englands und Frankreichs, ihre Kriegsschulden und Kriegslasten nach 1919 aus dem besiegten Deutschland einzutreiben.

Deutschland werden demzufolge nicht nur Kolonien, Auslandsvermögen, Patente und Industrieanlagen von immensen Werten abgenommen, sondern die neue deutsche Republik soll neben Sachleistungen wie Kohle, Holz, Vieh und anderem auch in „barem“ Geld bezahlen.

Reparationen in Geld, Gold und Devisen

Als erstes muß Deutschland 1919 zur Sicherung der noch nicht festgelegten Reparationen bei ausländischen Banken eine Schuldverschreibung über 100 Milliarden Goldmark unterschreiben und dafür ab der Unterzeichnung 5% Zinsen  – das sind 5 Milliarden Goldmark jährlich -  zahlen. Um die Größenordnung zu verstehen, sei erwähnt, daß Frankreich 1871 nach einem Kriege, den es selbst verursacht, erklärt und dann verloren hatte, mit einer Gesamtreparation von ca. 5 Milliarden Goldfranken ( gleich ca. 4 Mrd. Goldmark ) davongekommen war. Die alliierten Sieger verlangen 1919 statt dessen einen Beitrag in fast der gleichen Höhe, aber einmal jährlich, und das ohne Tilgungsanteil.

Im Januar 1921 legen die Siegermächte dann die Gesamthöhe der Reparationen Deutschlands für die nächsten 42 Jahre fest: ca. 331 Milliarden Goldmark. Auch hier zwei Zahlen zum Vergleich. Die Kosten Deutschlands für den gesamten Ersten Weltkrieg hatten nur halb soviel betragen ( 163 Mrd. ). Und das besiegte Russland hatte 1918 im Frieden von Brest-Litowsk überhaupt keine Reparationen an die Sieger Deutschland und Österreich-Ungarn zahlen müssen.  Man sieht im Ausland schon damals, wie völlig maßlos die eigenen Forderungen in Versailles sind. Dazu drei Siegerstimmen: Der damalige italienische Ministerpräsident Nitti: „Noch niemals ist ein ernstlicher und dauerhafter Friede auf die Ausplünderung, die Quälerei und den Ruin eines besiegten Volkes gegründet worden.“  Der amerikanische Außenamts-Staatssekretär Lansing noch während der Versailler Sitzungen: „Die Friedensbedingungen erscheinen unsagbar hart und demütigend, während viele von ihnen mir unerfüllbar erscheinen.“  Und Churchill in seinen Erinnerungen: „Die wirtschaftlichen Bestimmungen des Vertrages waren so bösartig und töricht, daß sie offensichtlich jede Wirkung verloren. Deutschland wurde dazu verurteilt, unsinnig hohe Reparationen zu leisten.“ Doch die rechtzeitigen und auch die späteren Einsichten führt nicht dazu, dem besiegten Deutschland eine Brücke zu bauen.

Die junge deutsche Republik hat außer den Reparationen auch noch die eigenen Kriegsanleihen abzutragen, die Unterstützung für die Kriegsopfer aufzubringen, die Entschädigungen für die in Elsaß-Lothringen verlorenen Sachwerte zu leisten und obendrein den Siegern die Besatzungskosten zu bezahlen. So kommt es, daß das Deutsche Reich schon die zweite Monatsrate nicht mehr voll bezahlen kann. Die Sieger besetzen daraufhin zum ersten Mal als Straf- und Repressionsmaßnahme einen Teil des Ruhrgebiets, die Städte Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort.

Im Mai 1921 legen die Siegermächte dann einen „endgültigen Reparationsplan“ fest, der allerdings nicht lange ( end- ) gültig bleibt. Die neue Schuld beträgt noch 132 Milliarden Goldmark plus einer 26%-Abgabe auf alle deutschen Exporte, was jährlich noch einmal bei 2 bis 3 Milliarden liegt. Auch 1922 kann die Weimarer Republik die Schulden nicht bezahlen. Als gegen Ende ´22 noch 1,6% der Jahresrate fehlen, marschieren belgische und französische Truppen ein zweites Mal ins Ruhrgebiet und besetzen Oberhausen und Essen. Die Reichsregierung Cuno ruft daraufhin zum „Passiven Widerstand“ gegen die Besatzungstruppen auf, was zur Erschießung von 14 deutschen Arbeitern und der Vertreibung von 80.000 Männern aus dem Ruhrgebiet führt, die damit Heim, Arbeitsplatz und Lohn verlieren. Frankreich unterbindet außerdem die Lieferung von Kohle von der Ruhr ins nicht besetzte Deutschland. Da die Weimarer Republik schon die Kohlereviere Saar an die Franzosen und Oberschlesien an die Polen hatte übergeben müssen, bricht mit dem Kohle-Embargo an der Ruhr die Energieversorgung im ganzen Deutschen Reich zusammen. Dem folgen der Kollaps der deutschen Industrieproduktion und kurz darauf auch der Zusammenbruch der Reichsmark-Währung. Es kommt zur Inflation, bis 4 Milliarden Reichsmark nur noch den Wert von einem Dollar haben. Es kommt zu hoher Arbeitslosigkeit und zur Verelendung eines großen Teiles der Bevölkerung in Deutschland.

1924 folgt der nächste Zahlungsplan der Sieger, der DAWES-Plan, der wieder keine Obergrenzen für die deutschen Zahlungspflichten nennt, aber geringere Jahresraten ansetzt. Deutschland  – nach wie vor nicht zahlungsfähig -  leiht sich das verlangte Geld bei US-Banken und zahlt seine Reparationen nun fünf Jahre lang mit immer neuen Schulden. 1930 wird der DAWES-Plan vom YOUNG-Plan abgelöst, der die „endgültige“ Höhe der Reparationen festlegt und die Zahlungsdauer 1988 enden läßt. Auch die YOUNG-Raten muß sich die Weimarer Republik bei Banken in den USA besorgen. Die Reste der DAWES- und der YOUNG-Anleihen zahlt die Bundesrepublik Deutschland noch bis zum Jahr 2010 bei Banken in den USA ab.

1930 beginnt die Weltwirtschaftskrise in Nordamerika. Die US-Banken  – nun selbst in Schwierigkeiten -  verlangen von den deutschen Schuldner-Banken, alle kurzfristigen Kredite der letzten Jahre sofort zurückzuzahlen, worauf im Sommer 1931 fast alle deutschen Banken Konkurs anmelden müssen. Es folgt die Zeit der Depression in Deutschland, die Zeit der 6 Millionen Arbeitslosen und der Versuch der Reichsregierung Brüning, die Weimarer Republik am Parlament vorbei mit Notverordnungen wirtschaftlich zu retten. Dies ist der Tod der Republik von Weimar .

Dieser Text ist eine Kurzfassung des entsprechenden ausführlichen mit Hintergründen, Quellenangaben und einer Karte versehenen Textes (Seiten 71-89) in dem Buch 1939 – Der Krieg der viele Väter hatte

595 Seiten / 5. Auflage OLZOG-Verlag

München 2006

ISBN-3-7892-8188-3

Weitere Publikationen von Gerd Schultze-Rhonhof

Versailles – Der Anfang vom Ende

VersaillesGemäß den Diktat-Verträgen von Versailles, St. Germain und Trianon von 1919 verblieben etwa 2,4 Millionen Deutsche im neu entstandenen polnischen Staat, 3,3 Millionen Deutsch-Österreicher verblieben in der neu gegründeten Tschechoslowakei, an die 600.000 in Ungarn, weitere rund 600.000 im neu gegründeten Jugoslawien und 800.000 in Rumänien.

Die Rechte dieser Volksgruppen sollten durch Verträge und durch das Minderheitenschutzsystem des Völkerbundes garantiert werden. Jedoch erwies sich das System als unwirksam, wie die Petition der Volksdeutschen an den Völkerbund in Genf und sogar einige Urteile des Ständigen Internationalen Gerichtshofs in Den Haag belegen. Im Polen der Jahre 1919 bis 1924 nahm die Diskriminierung der Deutschen bereits die Züge einer Vertreibung an. Allein in diesen sechs Jahren sank die Zahl der in Posen, Westpreußen (Pomerellen) und im östlichen Oberschlesien lebenden Deutschen um fast die Hälfte.

So lebten am Vorabend des Zweiten Weltkrieges rund 19 Millionene Deutsche östlich der heutigen Oder-Neiße-Grenze, davon knapp 10 Millionen in den alten deutschen Reichsprovinzen (Ost- und Westpreußen, Niederschlesien, Oberschlesien) sowie Danzig und Memel; 150.000 in den Baltischen Staaten; 3,2 Millionen Sudetendeutsche (etwa 3 Millionen Deutsch-Böhmen und Deutsch-Mähren kamen mit der Eingliederung des Sudetenlandes durch das Münchner Abkommen von 1938 zum Deutschen Reich); 150.000 in der Slowakei, noch 1,2 Millionen in Polen, knapp 600.000 in Ungarn, 800.000 in Rumänien, 600.000 in Jugoslawien und Bulgarien und etwa zweieinhalb Millionen in der ehemaligen Sowjetunion.

Quelle: Alfred-Maurice de Zayas: 50 Thesen zur Vertreibung, London u. München 2008.

Zur Kriegsschuldfrage zum 1. Weltkrieg

 

kaiserDer Sepp Depp wird vom Arbeitskreis für Zeitgeiststudien vergeben und ist der Preis für „Falschangaben zur Geschichte“. Mit verschiedene Aussagen Gido Knopps in seinen Dokumentationen über Kaiser Wilhelm II. hat sich nun die Kommission beschäftigt.

Er wird vergeben für falsche Angaben über wichtige historische Fakten in Massenmedien, die den Anspruch erheben auf geschichtliche Information des Publikums, Ebenso, wo solche Informationen indirekt vermittelt werden durch Kunst in Theater, Spielfilm, Romanen, usw. Als Prämie wird den nominierten Kandidaten ein Seppel-Wimpel verliehen, der von den Urhebern der Falschinformation beim Arbeitskreis angefordert werden kann.

Nominierung

Thema: Ursache des Ersten Weltkriegs
Urheber: Redakteur Guido Knopp

Aussage

Der erste Weltkrieg wurde verursacht „von einem Kaiser, der von deutscher Großmacht träumte“

Tatsachen

Hintergründe und Auslöser
Der Hintergrund des Ersten Weltkriegs war ein europaweites Bündnissystem, in dem der Krieg bei Spannungen nahezu automatisch ausgelöst wurde. Durch weite Verflechtungen der Mächte bis in deren überseeische Kolonien war dies gleichbedeutend mit Weltkrieg. Auslöser des Krieges wurde das Attentat des serbischen Studenten Gavrilo Princip auf den Thronfolger des Habsburger-Reiches, Franz Ferdinand, am 28. Juni 1914. Dieser von serbischen Armeeoffizieren unterstützte Mord zwang die Donau-Monarchie zu Repressalien gegen Serbien und löste eine Kettenreaktion aus.

Das Attentat


Kaiser Franz Joseph in einem Brief an den deutschen Kaiser:“… Das gegen meinen armen Neffen ausgeübte Attentat ist die direkte Folge der von den russischen und serbischen Panslawisten betriebenen Agitation, deren einziges Ziel die Schwächung des Dreibundes und die Zertrümmerung meines Reiches ist. Nach allen bisherigen Erhebungen hat es sich in Sarajewo nicht um die Bluttat eines Einzelnen sondern um ein wohlorganisiertes Komplott gehandelt, dessen Fäden nach Belgrad reichen…“.(1) Tatsächlich hatte es kurz vor dem Mordanschlag bereits ein Attentat gegeben. Auf der Fahrt durch Sarajewo hatte schon am Morgen um 10 Uhr ein anderer serbischer Attentäter, der Schriftsetzer Gabrinovic, am Appelkai eine Bombe auf den Wagen geworfen, die den Adjutanten des Gouverneurs von Bosnien schwer verletzte. Der nachfolgende Empfang beim Bürgermeister und dessen tapfer mit altem Text verlesene Rede, in der „alle Bürger Sarajewos überglücklich und voller Begeisterung den ehrenvollen Besuch empfangen“ geriet entsprechend peinlich.(2) Hinter den terroristischen Umtrieben stand der Geheimbund „Schwarze Hand“, der von serbischen Militärs organisiert wurde. Leiter der Operationen der Schwarzen Hand war der Oberst im serbischen Generalstab Dimitrjewitsch, eine Absprache mit dem russischen Gesandten in Belgrad, Hartwig, wird vermutet.(3)

Krisenreaktionen


Dem österreichischen Kaiser machte spätestens das Attentat deutlich, daß die Sicherheit seines Reiches durch den serbischen Panslawismus gefährdet war. Am 5. Juli 1914 ließ er durch seinen Botschafter Szögyéni in Berlin eine Denkschrift überbringen, die einen Balkanbund anregte, der Serbien isolieren sollte. Kaiser Wilhelm nahm die serbische Bedrohung ernst, wollte aber keine Empfehlung über weitere Reaktionen geben, da „… wir mit allen Mitteln dagegen arbeiten müßten, daß sich der österreichisch-serbische Streit zu einem internationalen Konflikt auswachse.“

Zugleich bekräftigte er aber auch seine Treue zum Bundesgenossen: „Kaiser Franz Joseph aber müsse wissen, daß wir auch in ernster Stunde Österreich-Ungarn nicht verlassen. Unser eigenes Lebensinteresse erfordert die unversehrte Erhaltung Österreichs…“.(4) Kaiser Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt noch überzeugt, daß Rußland sich ebenfalls nicht auf einen solchen Krieg einlassen, und daß Frankreich in diesem Sinne auf den russischen Zaren einwirken werde.(5) Der deutsche Kaiser trat entsprechend am 6. Juli seine jährliche Urlaubsreise an, auch die Chefs der beiden deutschen Armeeteile (Heer, Marine) gingen in Urlaub, es wurden keinerlei Anordnungen für einen möglichen Kriegsfall erlassen.(6)Es kam tatsächlich zu einem französisch-russischen Krisentreffen vom 21.-23.07.1914 in St. Petersburg. Doch dabei ging es nicht um Frieden, sondern um das Gegenteil: Man schwelgte in Sekt und Eroberungslaune. Die russische Großfürstin Anastasia verkündete: „Der Krieg wird ausbrechen … von Österreich wird nichts mehr übrigbleiben … Frankreich wird sich Elsaß und Lothringen zurückholen … unsere Armeen werden sich in Berlin vereinigen … Deutschland wird vernichtet werden.“(7)

Nach intensiven diplomatischen Verhandlungen und einem österreichischen Ultimatum an Serbien war es der russische Außenminister Sasonow, der am 24. Juli 1914 erstmals öffentlich verkündete: „Das ist der europäische Krieg!“(8) Kaiser Wilhelm hingegen ließ sich davon noch nicht überzeugen. Die taktierende serbische Antwort auf das österreichische Ultimatum befand Wilhelm II. als „befriedigend“ und als einen „moralischen Erfolg, größer als man ihn erwarten konnte, jeder Kriegsgrund ist daher fortgefallen“. Am 27. Juli schlug er deshalb noch eine Botschafterkonferenz zwischen den europäischen Mächten vor.(9)

Die im Zitat verbreitete Unterstellung, Kaiser Wilhelm II. oder das Deutsche Reich seien in der Krise als Kriegstreiber aufgetreten ist derart abwegig, daß es äußerst schwerfällt, noch an Irrtum oder Dummheit hinter der Falschaussage im oben genannten Medien-Zitat zu glauben.(10) Schon zu Zeiten des fragwürdigen Versailler Diktates war dieser Auffassung begründet widersprochen worden.(11) Vielleicht erklärt sich die Neuauflage der alten Schuldvorwürfe damit, daß Deutschland bis heute noch Entschädigungszahlungen leisten muß wegen seiner angeblichen Kriegsschuld im Ersten Weltkrieg, wie es heißt sogar noch bis zum Jahr 2020; ein Jahrhundert-Milliardengeschäft für die Nutznießer.(12)

Fazit

Es ist Unfug, zu behaupten, ein deutscher Kaiser habe mutwillig den Weltkrieg ausgelöst, um auf diese Weise sein Land zur Großmacht zu machen. Sowohl der Kaiser des Deutschen Reiches Wilhelm II. wie auch der Kaiser der Donaumonarchie, Franz Joseph, waren bereits Herrscher der beiden führenden europäischen Kontinentalmächte, die in diesem Krieg kaum mehr zu gewinnen hatten. Das deutsche Reich hatte seine Ansprüche gegen Frankreich bereits im Krieg 1870/71 durchgesetzt und Habsburg verteidigte 1914 lediglich seine territoriale Integrität gegen serbischen Nationalismus auf dem Balkan. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war ausdrücklich gegen einen Krieg – als es ernst wurde stand er jedoch zu seinem Bündnis mit Österreich.

Es ist denkbar, daß dieser Weltkrieg durch die zunehmenden Spannungen zwischen den europäischen Großmächten auch ohne das Attentat zu einem späteren Zeitpunkt ausgebrochen wäre. Doch dies ist pure Spekulation, die selbst wenn sie nicht falsch wäre, keine deutsche Kriegsschuld begründen könnte, da alle damaligen Großmächte in gleicher Weise zu diesen Spannungen beitrugen.

In der sogenannten Fischer-Kontroverse wurde dies bereits in den 1960er Jahren ausführlich erörtert. Im Ergebnis zeigte dies, daß der von Fischer detailliert vorgetragene Nachweis militaristischer Bestrebungen auf deutscher Seite sich von denen in anderen europäischen Ländern zu jener Zeit nicht unterschieden. Deshalb ist es nicht möglich, auf solchen Umwegen eine deutsche Kriegsschuld herbeizuphantasieren. Daß diese für einige Staaten finanziell lukrative Geschichtsverfälschung gerade Mode hat, macht sie nicht richtiger.

Fußnoten
(1) Armer Neffe
Brief von Kaiser Franz Joseph in: Zentner, Ch. (Hrsg.): Faksimile Edition Deutschland im 20. Jahrhundert. Folge 3: August 1914, S.3.
(2) Begeisterter Empfang
Report: Die Schüsse von Sarajewo, in Zentner, a.a.O., S.5.
(4) Gegenarbeit und Lebensinteresse
Aus den Erinnerungen des damaligen Reichskanzlers Theobald von Bethmann-Hollweg, zitiert in ebd., S.3
(5) Besänftigungen
Aus den Erinnerungen damaligen Chefs des deutschen Reichsmarineamtes Graf von Tirpitz, zitiert in ebd.
(6) Alles im Urlaub
Zentner/Edition, Folge 3, a.a.O., S.7.
(7) Sektlaune
Freund, Michael: Deutsche Geschichte. Gütersloh 1960, S.452.
(8) Flotter Sasonow
Zentner/Edition, a.a.O., S.9.
(9) Friedlicher Wilhelm Ebd.
(10) Kriegsschuldvorwurf
Art. 231 des Versailler Diktats: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.“ (Freund/Geschichte, a.a.O., S.537)
(11) Schuldwiderspruch
- Der deutsche Außenminister Graf Brockdorff-Rantzau am 7. Mai 1919 zu Versailles bei der Übergabe der „Friedens-Bedingungen“: „Wir kennen die Macht des Hasses, die uns hier gegenübertritt, und wir haben die leidenschaftlichen Forderungen vernommen, daß uns die Sieger gleichzeitig als Besiegte zum Zahlen zwingen und als Schuldige bestrafen wollen. Es wird von uns verlangt, daß wir uns endlich als die Alleinschuldigen am Kriege bekennen sollen – ein solches Bekenntnis wäre aus meinem Munde eine Lüge … Verbrechen im Kriege mögen nicht zu entschuldigen sein, aber sie geschehen im Ringen um den Sieg, in der Sorge um das Dasein der Nation, in einer Leidenschaft, die das Gewissen der Völker abgestumpft. Die Hunderttausende aber, die nach dem Kriege an der Blockade zugrunde gingen, wurden mit kalter Überlegung getötet, nachdem der Sieg errungen und verbürgt war. Daran denken Sie, wenn Sie von Schuld und Sühne sprechen …“ Zitiert nach Erich Kern: Von Versailles zu Adolf Hitler. Göttingen 1961