Tag Archiv für Stalin

"Reiner Tisch" durch befohlenen Terror

‘Ord­nungs­ge­mä­ße Über­füh­rung’

Eine schonungslose und umfassende Darstellung der Vertreibung der Deutschen

ÜberführungKein Deutscher, ein Ire ist der Autor der ersten Gesamtdarstellung der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ray M. Douglas, Professor für Geschichte an der Colgate University in Hamilton (New York), hatte sich bisher mit irischer und britischer Zeit-, Parteien- und Kolonialgeschichte beschäftigt. Deutschen Historikern, die über die Nachkriegsvertreibungen gearbeitet haben, war er nicht bekannt. An seinem jüngsten Buch jedoch wird sich künftig jede weitere historische Erzählung der Nachkriegsverbrechen an der deutschen Bevölkerung Ost-, Mittel- und Südosteuropas messen müssen.

Die deutsche Debatte, schreibt Douglas in seiner Einleitung, konzentriere sich darauf, wie man die Vertreibungen „erinnern und sie darstellen soll, nicht woran erinnert werden soll” – und dies, obwohl über fast alle wichtigen Fragen erhebliche Meinungsverschiedenheiten herrschten. Nicht irgendwelche Tabus, sondern schlicht „Gleichgültigkeit und Unwissen unter Historikern und in der Öffentlichkeit” hätten in Deutschland einem „ruhigen und produktiven Umgang” mit ihrer Geschichte entgegengewirkt. Für den Rest der Welt seien die Nachkriegsvertreibungen bis heute „das am besten gehütete Geheimnis des Zweiten Weltkrieges”. Zwar hätten Historiker aus den Vertreibungsstaaten nach 1989 bahnbrechende Studien vorgelegt, die von deutschen und amerikanischen Historikern erweitert und ergänzt worden seien. Eine Studie aber, welche die Vertreibungen von allen Seiten her betrachte, habe es bisher nicht gegeben. Das zu leisten, habe er sich vorgenommen.

Unbeirrt von den erinnerungspolitischen Einlassungen deutscher Bedenkenträger stellt Douglas mit einer Fülle von Belegen dar, was geschehen ist. Dabei räumt er der Reihe nach mit den Mythen auf, die dem Urteil über eines der größten Verbrechen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts entgegenstehen. Das erste Kapitel heißt „Der Planer” und beschäftigt sich vorwiegend mit der Rolle des tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Benes, den der Autor als „dünnhäutig, überaus selbstgerecht, kalt und nachtragend” schildert. Benes erwartete sich vom Ausgang des Zweiten Weltkrieges die einmalige Gelegenheit, „das nationale Projekt der Tschechoslowakei zu vollenden” – nämlich die „Säuberung” des slawischen Staates von Deutschen und Magyaren. Das einzig mögliche Mittel zu diesem Zweck sei die „Lösung des Minderheitenproblems durch Massenvertreibung” gewesen. Ohne die Unterstützung der Alliierten hätte er diesen Plan allerdings nicht realisieren können.

Die politischen Eliten in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten plädierten bereits Ende 1943 mehrheitlich für Vertreibungen als den „heroischen Ausweg” (Herbert Hoover) zur Vermeidung künftiger Konflikte. Anhand zahlreicner Quellen widerlegt Douglas die Legende, die Westalliierten hätten sie lediglich widerwillig zur Kenntnis genommen und auf ihrer „humanen Durchführung” bestanden. „Die Staatschefs der Großen Drei wussten, dass die unmittelbare Nachkriegszeit ihnen nur ein kleines Zeitfenster bot, um die politische und demographische Karte Mitteleuropas neu zu zeichnen und dabei neben einer politischen auch eine soziale Revolution zu bewirken.” Zwar divergierten ihre Zielvorstellungen, aber Stalin, Roosevelt und Churchill sahen in der Vertreibung die „zentrale Komponente der erwünschten Veränderungen”.

Churchill, der sich noch 1941 gegen gewaltsame Umsiedlungen ausgesprochen hatte, änderte seine Meinung unter dem Eindruck des totalen Krieges. In einer Rede vor dem Unterhaus vom 15. Dezember 1944 nannte er sie „das befriedigendste und dauerhafteste Mittel . . . Reiner Tisch wird gemacht werden.” Die ausführliche Darstellung der angloamerikanischen Haltung gehört zu den besonders verstörenden Passagen dieses Buches. Den britischen und amerikanischen Entscheidungsträgern war wohl bewusst, dass die Vertreibung von zwölf bis vierzehn Millionen Deutschen logistisch nicht zu bewältigen war, dass sie in einer humanitären Katastrophe enden und Hunderttausende Todesopfer fordern würde. Aber es war ihnen gleichgültig, denn die deutsche „Kollektivschuld” stand für sie fest, auch Kinder nahmen sie da nicht aus. Die brutale Durchführung der Zwangsumsiedlungen sahen sie „nicht nur als entschuldbar, sondern als kathartisch für die Vertreibungsländer selbst an”. Dass solche Ideen noch keineswegs aus der Welt sind, zeigt Douglas an ähnlichen Vorschlägen amerikanischer Politologen zur Beilegung der Konflikte auf dem Balkan und im Nahen Osten.

Der Autor räumt auch mit der Legende auf, nach den „wilden Vertreibungen” der ersten Wochen nach dem Krieg und den sie begleitenden „Exzessen” spontaner Rache, sei die Aussiedlung nach der Potsdamer Konferenz im Wesentlichen geordnet und human verlauten. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – darunter der Prager Aufstand, der Brünner Todesmarsch und das Massaker von Aussig – „kam es nach der deutschen Kapitulation praktisch nirgends zu spontanen Gewalttaten gegen Deutsche”. Terror und Gewalt gingen vielmehr „auf das Konto von Staatsorganen, die auf Befehl handelten”. Die letzten KZ-ähnlichen Lager wurden erst in den frühen fünfziger Jahren geschlossen. Douglas beschreibt die systematische Gewalt gegen deutsche Internierte, auch gegen Kinder, die Vergewaltigungen und Folterungen, die Zwangsarbeit und den allgegenwärtigen Hunger. So schonungslos und umfassend wurden diese Staatsverbrechen bisher noch von keinem Historiker dargestellt.

Es ist zu erwarten, dass dieses Buch heftige Reaktionen hervorrufen wird. Einige Fehler untergeordneter Bedeutung, die einem fachkundigem Lektorat kaum entgangen wären, dürften die üblichen Beckmessereien provozieren. Den außergewöhnlichen Wert dieser Arbeit aber wird kleinliche Kritik nicht schmälern können.

Ray M. Douglas: Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Verlag C.H. Beck, München 2012. 556 S., 29,95 f..

Erhältlich z.B. HIER

FAZ vom Montag, den 23.04.2012

Osteuropa: Bestraft werden soll auch die Leugnung kommunistischer Verbrechen

Porträts von Lenin und Stalin waren am 15. Januar in Berlin bei einer Demonstration zum Ge­denken an Rosa Luxemburg zu sehen. Die Demo wurde vor allem von der Linkspartei bestimmt. Während das Zeigen von werbenden Fotos von Hitler in Deutschland bestraft wird, sind sie von anderen Massenmördern erlaubt – im Gegensatz zur Lage in immer mehr Ländern in Osteuropa.

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VÖLKERMORDE:

Immer mehr Staaten in Europa verlangen, dass nicht nur die Leugnung des Holocaust bestraft wird, sondern auch der ähnlich brutalen kommunistischen oder islamischen Verbrechen.

In den meisten EU-Staaten wird man bisher nur bestraft, wenn man den Holocaust leugnet. In mehreren Staaten, die unter kommunistischer Herrschaft gelitten haben, ist dagegen auch die Verharmlosung sowjetischer Verbrechen strafbar. In der Tschechischen Republik ist gesetzlich geregelt: Wer die Massen­morde von Nationalsozialisten und Kom­munisten „öffentlich verneint, in Zweifel zieht, billigt oder zu rechtfertigen ver­sucht”, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft. Im ungarischen Strafgesetzbuch heißt es: „Wer vom kom­munistischen System begangenen Völ­kermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, in Zweifel zieht oder in ihrer Bedeutung herabmin­dert, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt.”

Außenminister: Stalin brachte noch mehr um

Vor einem Jahr hatten sich die Außen­minister Litauens, Lettlands, Ungarns, Bulgariens, Rumäniens und der Tsche­chischen Republik an die EU gewandt, EU-weit die Leugnung kommunistischer Verbrechen zu bestrafen. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass nur die Leugnung des Holocaust geahndet wird. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg erklärte dazu gegenüber Radio Prag, Stalin habe sogar noch mehr Menschen umgebracht als Hitler, beide seien „Massenmörder”. Bisher hat die EU den Wunsch der ehemaligen Ostblock­staaten abgelehnt.

Frankreich: Leugnung der Ermordung der Armenier strafbar

Großes Aufsehen erregte jetzt, dass die Nationalversammlung in Frankreich ein Gesetz beschloss, das die Billigung jeglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter Strafe stellt – nicht nur die des Holocaust. Konkret wurde auch die Leugnung des Völ­kermordes an 1,5 Millionen (christlichen) Armeniern 1915 durch türkische Moslems verboten. Darüber hinaus ist z. B. die Ukraine bemüht, dass die durch Josef Stalin herbei­geführte Hungersnot 1932/33, bei der sie­ben Millionen Ukrainer ums Leben kamen, weltweit als Völkermord missbilligt wird. In­zwischen haben zahlreiche Staaten, darun­ter Polen, Spanien, der Vatikan und die USA den sogenannten Holodomor (auf Deutsch: durch Hunger sterben lassen) als Genozid (Völkermord) anerkannt. Das Europäische Parlament stufte ihn als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein.

Die Ahndung von sogenannten „Wortverbrechen” begann in Deutschland 1994. Eine letzte Verschärfung trat am 1. April 2005 in Kraft, nach der auch die Billigung oder Verherrlichung der natio­nalsozialistischen Gewalt- und Willkürherr­schaft unter Strafe steht. Dagegen können die Verbrechen des SED-Staates, Stalins, Lenins oder Maos in Deutschland weiterhin ohne Folgen relativiert werden.

Quelle: IDEA

„Fall Barbarossa“: Es war ein Präventivkrieg, kein „Überfall“

Stefan Scheil belegt, dass Stalin schon vor dem deutschen Aufmarsch gegen Deutschland gerichtete Angriffspläne hatte

Z u m 70. Jahrestag des d e u t s c h e n Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 Scheilzieht Stefan Scheil aus seiner umfangreichen Publikation zum Entstehen des Zweiten Weltkriegs sehr schlüssig die Quintessenz: Es war ein Präventivkrieg,  kein „Überfall“, wie ja ein deutscher Angriff politisch korrekt heißen muss – manchmal sogar der auf Frankreich, das Deutschland den Krieg erklärt hatte. Noch der „Spiegel“ vom 11. Juni dieses Jahres spricht wie die Sowjetpropaganda

vom „faschistischen Überfall auf die friedliebende Sowjetunion“ vom deutschen Überfall, während die Sowjetunion das sogenannte Ostpolen nur „besetzte“ und die baltischen Staaten „eingliederte“.

Scheil fragt für sein Urteil: Gab es langfristige Angriffsplanungen der Sowjetunion gegen Deutschland? Wurden diese vom Reich erkannt? Mit diesen strengen Kriterien verwirft der Autor in einem Exkurs die angelsächsische Praxis, ein Praevenire schon zu rechtfertigen, wenn die eigene Übermacht gefährdet ist, selbst wenn ein militärischer Angriff sowenig droht, wie seinerzeit vom deutschen Kaiserreich.

Ab 1928 begann die Sowjetunion eine überwältigende personelle und materielle Aufrüstung, die sich immer deutlicher gegen Deutschland richtete. Sie wurde von Hitler schon 1936 als langfristige Hauptbedrohung erkannt. Dennoch bezeugt sein Verhalten, dass bis Dezember 1940 keinerlei Absicht bestand, die als sehr stark beurteilte Sowjetunion anzugreifen.

Dabei wurde schon der Aufmarsch der Roten Armee in Polen und der Ukraine, besonders nach der Okkupation des Baltikums, Bessarabiens und der Bukowina
im Sommer 1940 als so bedrohlich beurteilt, dass Kräfte zur Abwehr bereitgestellt und im Juni auch alarmiert wurden, als ein sowjetischer Angriff zu drohen schien.

Erst nachdem Stalin durch Molotow Mitte November 1940 in Berlin verlangt hatte, Deutschland solle vom Belt bis zur Donau die Peripherie des Reiches als sowjetisches
Interessengebiet und damit seine strategische Kapitulation anerkennen, unterschrieb Hitler über einen Monat später die Weisung für den „Fall Barbarossa“.

Schon vor und während des deutschen Aufmarsches wurde der sowjetische Aufmarsch von Heer und Luftwaffe an der Grenze so massiv, dass am 20. Mai 1941 ein sowjetischer Angriff aus deutscher Sicht möglich war. Diese Beurteilung war berechtigt, denn die Rote Armee besaß bereits am 18. September 1940 (!) den Plan eines Angriffs, nach dem sie, in Richtung Breslau vorstoßend, dann nord- und südschwenkend, die deutschen Kräfte vernichten sollte.

Am 15. Mai, also fünf Tage vor der deutschen Lagebeurteilung, waren der Plan aktualisiert und die Befehle für den „Übergang zum Angriff“ erteilt; deutsche Karten und Wörterbücher wurden ausgegeben, die gesamte interne Propaganda auf Offensive ausgerichtet. In diesem Plan warnt der sowjetische Generalstabschef Schukow vor der Möglichkeit, dass Deutschland der Sowjetunion „beim Aufmarsch zuvorkommt und einen Überraschungsschlag führt“.

Die immer noch übliche Behauptung, der deutsche Angriff habe die Sowjetunion überrascht, ist somit eine tatsachenwidrige Legende.


Manfred Backerra

Stefan Scheil: „Präventivkrieg Barbarossa– Fragen, Fakten, Antworten,“
Reihe Kaplaken, Bd. 26, Edition Antaios, Schnellroda 2011, 94 Seiten, gebunden, Schnellroda, , 8,50 Euro.

NS und Kommunisten “Nicht Gegensatz, sondern eher Konkurrenzkampf”

Erik von Kuehnelt-Leddihn über die wahre ideologische Heimat des Nationalsozialismus

LeddihnIch bin ein Rechter und daher ein absoluter Gegner des Nationalsozialismus. Wenn das den Leser überrascht, kennt er entweder wie einst die Einwohner von Niniveh (Jonas, 4, 10) den Unterschied zwischen "rechts" und "links" oder den wahren Charakter des Nationalsozialismus oder vielleicht auch beides nicht.

Auf jeden Fall aber ist die schlechte Angewohnheit, die brandlegerischen Punker "Rechtsradikale" zu nennen, genau so ein glatter Unsinn, wie den Massenmord an Geisteskranken, Israeliten und Zigeunern als "Holocaust" (mit englischer Orthographie!) zu bezeichnen, denn so nannten die frommen Hellenen ihre Brandopfer für die Gunst ihrer Götter.

Der Nationalsozialismus entstand in Böhmen, und zwar 1896, als tschechische Sozialdemokraten, die den Sozialismus auf internationaler Ebene als irrealistische Utopie empfanden, unter der Führung von Klofac, Stribrny und Franke eine nationalsozialistische Partei gründeten. Ihr Führer wurde 1919 Eduard Benes, ein Nationalsozialist von echtem Schrot und Korn, der schon 1943 im Exil erklärte, daß man Hitler nachahmen müsse. Das Leitbild dieser neuen Partei war die taboritische Bewegung der Husiten, die radikal links, nationalistisch und fanatisch deutschfeindlich war.

Der nationalistische Linksdrall in Böhmen und Mähren fand Widerhall unter manchen Deutschen dieser Länder, denen die "Deutschnationale Partei" zu bürgerlich war, und so schlossen sie sich in einer "Deutschen Arbeiterpartei" zusammen. Vorschläge, sich auch nationalsozialistisch zu nennen, lehnten sie wiederholt ab, denn sie wollten nicht als Nachahmer von Tschechen gelten.

Goebbels sah sich als Repräsentant der politischen Linken

Erst am 5. Mai 1918 in Wien wurde die DAP in "Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei" umbenannt. Ihr Programm war eindeutig links. Es war offen gegen die Donaumonarchie gerichtet, antihabsburgisch, antiaristokratisch, antiklerikal, antikapitalistisch und – einziger Unterschied zu ihrem tschechischen "Vorbild" auch antisemitisch. Die Namenserweiterung fand – ein symbolischer Zufall? – am 100. Geburtstag von Karl Marx statt.

Dann kamen bald das Kriegsende und der "Umsturz". Hitler diente in München mit roter Armbinde unter den Kommunisten (siehe J. Fest: "Hitler", 1973, S. 122). Bei den ersten Wahlen in der Tschechoslowakei bekamen die deutschen Nationalsozialisten schon 42.000 Stimmen.

Der aus Böhmen ausgewiesene Ingenieur Rudolf Jung überredete Hitler, der in München auch einer "Deutschen Arbeiterpartei" angehörte und beabsichtigte, ihr die Bezeichnung "sozialrevolutionär" zu geben, sie lieber "nationalsozialistisch" zu nennen. Jung überzeugte ihn auch, die rote Fahne als zugkräftiges Symbol zu benützen. Im Dritten Reich wurde die "altösterreichische" Führungsgruppe der DNSAP-NSDAP unter den Teppich gekehrt und mit kleineren Stellungen abgefüttert, um die "Originalität" des "Größten Führers aller Zeiten" nicht in Frage zu stellen. Nach 1945 wurde sie dann von den tschechischen Nationalsozialisten im Verein mit den Kommunisten in Böhmen und Mähren ausgerottet. Rudolf Jung verhungerte 1945 im Prager Pankrac-Gefängnis; Hans Krebs wurde 1947 hingerichtet.

Selbstverständlich bestanden die leitenden Nationalsozialisten (Hitler, Goebbels, Heß) stets darauf, echte, wenn auch "deutsche Demokraten" und gute Republikaner zu sein. Für Rudolf Heß war der Nationalsozialismus die "edelste Form der europäischen Demokratie". Goebbels bekannte sich sogar noch 1926 als "deutscher Kommunist" und erklärte 1933 dem "Petit Parisien" in einem Interview, daß die Deutsche Revolution das Gegenstück zur Französischen sei.

Doch der Linksdrall trieb Goebbels zur Aussage: "Wir sind Antisemiten, weil wir Sozialisten sind." War es doch auch das Programm der Braunen, den "bürgerlichen Klassenstaat zu zertrümmern", wie Hitlers bis in den Tod treuester Paladin, Goebbels, es geplant hatte (siehe sein "Der Nazi-Sozi", 1932, S. 10). Ja aber, fragt vielleicht der naive Zeitgenosse, haben die Braunen nicht "dennoch" behauptet, "rechts" zu stehen? Keine Spur! Goebbels erklärte am 6. Dezember 1931 im "Angriff", daß die NSDAP die "deutsche Linke" verkörpere und den "bürgerlichen Nationalismus" verachte. Kann das deutlicher gesagt werden? Was will man mehr?

Über Nacht wechselten viele in das internationale Lager

Doch unsere geschichtslosen Spießer sind nicht so leicht zu überzeugen: Die NSDAP kämpfte doch gegen den so linken Kommunismus, also war sie sein rechter Feind! Aber man erinnere sich daran, daß bei den Wahlen im November 1932, bei einem Rückgang der braunen Stimmen, die Kommunisten 100 Vertreter in den Reichstag schickten: Viele Nationalsozialisten waren über Nacht zu Internationalsozialisten geworden.

Hitlers Ziel war die Vernichtung der konservativen Kräfte

Von Speer wissen wir, wie sehr Hitler später bereut hatte, Franco und nicht die ihm viel sympathischeren, die Friedhöfe und Leichen schändenden Rotspanier unterstützt zu haben. Zudem betrachtete Hitler den Nationalsozialismus als eine "auf exakter Wissenschaft aufgebaute Volksbewegung", eine Formel, die sicherlich auch Lenin hätte benützen können.

Doch unsere Spießer geben nicht nach. Für sie (aber nicht nur für sie) bleiben Braun und Rot "diametrale Gegensätze". Und da kommen sie mit dem großen Blödsinn, den L.S. Mercier verbreitet hatte: "Die Extreme berühren sich." Siedendes Wasser und Eis? Geparde und Schnecken? Mücken und Elefanten? Wenn man so einen Stammtischpolitiker fragt, wo er selbst stünde, hören wir ihn wahrscheinlich mit leicht vibrierender, klagender Stimme gestehen: "In der Mitte! In der Mitte!" Worauf ich dann boshaft bemerke: "Also Ihrer Meinung nach am halben Weg zwischen dem Obersalzberg und der Lubjanka?" Nein! Das hört er natürlich auch nicht gern.

Man muß sich einmal das Programm der Nationalsozialisten für das Ende des Zweiten Weltkriegs im Falle ihres Sieges vorstellen. Unser Spießer wird sagen, daß dies ein Sieg des "Kapitalismus" über den "Sozialismus" gewesen wäre, aber das würde keineswegs so gewesen sein. Walter Haids "Sozialismus als Träger des Dritten Reiches" (Berlin, 1935) möge da als Augenöffner dienen.

Dagegen wendet die linke Propaganda ein, daß die Wahlsiege der Nationalsozialisten durch das "Großkapital" finanziert wurden. Tatsächlich aber hat das Großkapital alle politischen Parteien, außer die Kommunisten, unterstützt (die bekamen ihr Geld aus Moskau). Ludwig von Mises hat uns verraten, daß die deutschen Industriellen, deren Land jahrelang höchst undemokratisch durch Notverordnungen regiert wurde, schließlich vor der Wahl standen, entweder von den Braunen versklavt oder von den Kommunisten notgeschlachtet zu werden.

Hätte Hitler einen Sinn für Humor gehabt, würde er Woodrow Wilson ein kolossales Denkmal gesetzt haben, denn dieser amerikanische Präsident hatte 1917 nach dem Fall der russischen Monarchie ein wahres Völkerringen in einen ideologischen Kreuzzug verwandelt, dessen Produkt die Weimar Republik war. Die bot der NSDAP – genau so wie es Plato von der Volksherrschaft vorausgesagt hatte – den idealen Rahmen zur Wandlung in die Tyrannis. Hitler aber hatte, abgesehen von der Übernahme des Chaplin-Schnurrbarts, wenig Sinn für Humor.

Nun erfährt man aber in Goebbels "Tagebuch" (II. 14), daß es, wie ihm Hitler verriet, nach einem Endsieg des Dritten Reichs allen "konservativen" Kräften, vor allem dem Christentum, an den Kragen gegangen wäre. Es war schließlich, wie Dahrendorf sagte, die Moderne, die 1933 in Deutschland ihren Einzug gefeiert hatte, während die Rechte, die "Reaktion" am 20. Juli 1944 das so linke "Rad der Geschichte" zurückdrehen wollte, was aber leider nicht gelang.

Alle großen Europäer, so verkündete der Amerikaner Allan Bloom, seien immer rechts gestanden. Das trifft selbst auf Freud zu. Marx war ein verhängnisvoller, aber kein "großer Europäer". Die Tatsache, daß 34 Jahre nach seinem Tod ein Sechstel der Erde seiner Ideologie untertan gemacht werden konnte, besagt gar nichts. Je dümmer eine populistische Theorie, desto rascher ihr Sieg. Das Christentum brauchte immerhin nicht 34, sondern 300 Jahre, um in einem großen Sektor der Ökumene zu triumphieren.

In einem sehr guten Aufsatz hat der sächsische Justizminister Steffen Heitmann (siehe Deutschland-Magazin 7/97) den Unterschied zwischen Rechts und Links herausgearbeitet. Seit einem halben Jahrhundert beschäftige ich mich mit diesem Thema. "Rechts" steht für Persönlichkeit, Vertikalität, Transzendenz, Freiheit, Subsidiarität, Föderalismus und Vielfalt, "Links" für Kollektivismus, Horizontalismus, Materialismus, Gleichheit-Nämlichkeit, Zentralismus und Einfalt (in beiden Sinnen des Wortes). Hier muß man auch bemerken, daß Freiheit und Gleichheit Gegensätze sind, denn Gleichheit ist "unnatürlich" und kann lediglich in der Tyrannis künstlich geschaffen werden. Nur Sklaven sind "gleich".

Nationalismus und Rassismus sind links, Patriotismus ist rechts. Das Christentum steht rechts, und der Dominikaner Bruckberger sagt mit Recht, das Neue Testament sei eine Botschaft der menschlichen Ungleichheit. Tatsächlich ist in fast allen Sprachen Rechts ein positiver, Links ein negativer Begriff. Im Deutschen hängt "rechts" mit richtig, gerecht und Recht zusammen (im Englischen ist es ähnlich). Im Slawischen leitet die Silbe prav eine ganze Reihe positiver Bezeichnungen ein.

Die NS-Abgeordneten gehörten nicht auf die äußerste Rechte

Im Italienischen ist la sinistra die Linke, il sinistro der Unglücksfall. Analoges finden wir im Arabischen, im Sanskrit, im Japanischen und Ungarischen. Auch die Bibel spricht dieselbe Sprache. Prediger 10,2 sagt uns, daß gegen alle Anatomie das Herz des Weisen auf der Rechten und das des Narren auf der Linken schlägt. Welcher konfuse Idiot war aber dafür verantwortlich, die NS-Abgeordneten auf der äußersten Rechten des Reichstags anzusiedeln? Stalin dekretierte aus ideologischen Gründen, daß man die Nationalsozialisten "Faschisten" nennen müsse, und die deutsche Linke folgte lakaienhaft diesem Ukas. In Wirklichkeit hatte Mussolini während seiner Jahre in Welschtirol von den tschechischen Nationalsozialisten im Wiener Reichsrat und ihrer husitischen Inspiration gehört. Das bewog ihn 1913 in Rom, ein Buch über Hus ("Giovanni Hus, il Verdico") zu veröffentlichen.

Mussolini kam vom italienischen Sozialismus her, und seine Bewegung hatte anfänglich und auch am Ende einen strikt republikanischen Charakter (die Fasces sind ein republikanisches Symbol!). Erst in der Republica Sociale Italiana konnte er sich ganz austoben. Vorher war er durch Monarchie und Kirche "beengt" gewesen.

Freilich hatte der Faschismus auch eine nichtpolitische Rolle: den im Grund so anarchischen Italienern ein wenig Disziplin beizubringen, um sie so mit den industriellen Nationen des Nordens wettbewerbsfähig zu machen. Es war auch keineswegs in den Sternen geschrieben, daß Italien sich im Zweiten Weltkrieg auf die Seite des Dritten Reiches schlagen würde. Dafür war die hirnlose Außenpolitik Edens verantwortlich. Den Nationalsozialismus "faschistisch" zu nennen, belastet die Italiener moralisch in höchst ungerechter Weise.

Wie auch immer: Der Nationalsozialismus hat mit der rechten Tradition Europas nicht das Geringste zu tun. Daher beginne oder schließe ich auch meine Vorträge in Übersee oft mit den Worten: "Ladies and Gentlemen, Right is Right and Left is Wrong."

Quelle: Deutschland-Magazin 10/97

Stalins deutsche Elite

stalinDeutsche Wissenschaftler – nach 1945 wurden sie gegen Ihren Willen in die Sowjetunion verschleppt und zur Arbeit für Stalin und seine Kommunisten gezwungen. Sehen Sie dazu folgenden Bericht: